Essen in Hongkong

27.06.2013
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Ruft mich an mein Sohnemann (25). Aus Hongkong. War soeben mit meinem Töchterlein (23) essen. Die zwei hätten noch niemals so gut in ihrem Leben gegessen wie dort. In einem Restaurant.

Drei Gänge. Dreierlei verschiedenes Fleisch. Als Beilage gab es Gemüse. Nur. Ausdrücklich: Es gab keinen Reis, keine Nudeln, keine künstlichen Kohlenhydrate. Frag ich nach. Ja, sagt er, Papa, ich hab mich umgesehen. Lauter schlanke fröhliche Leute um mich herum. Hab ich in Deutschland noch nie so erlebt. Nirgendwo habe ich auf den Tischen Reis oder Nudeln gesehen.

So viel zur Praxis. In Büchern und Zeitschriften lese ich Anderes.

Dass ein Dessert (kennen meine Kinder nicht) da schon gar nicht mehr in den Magen hineinpassen würde, das ganz nebenbei. Dass meine Kinder keinen Alkohol kennen (könnten wir uns über Erziehung unterhalten. Perfekt formuliert von Mutter Druckerman im Spiegel 13/2013, S. 126), dass meine Kinder also keinerlei Bedürfnis nach künstlichen Kohlenhydraten einschließlich Alkohol mehr haben, erklärt den Rechnungsbetrag von pro Person 40 €.

So viel zu: Ihre Art zu essen kann man sich ja gar nicht leisten. So viel zu: Aber man muss sich doch auch mal etwas gönnen. So viel zu: Ohne Kohlenhydrate schmeckt's doch gar nicht...Zwei erwachsene Menschen bestätigen: So gut hätten sie in ihrem ganzen Leben noch nie gegessen. Das möchten Sie eigentlich täglich sagen. Jetzt hören Sie, wie es geht.

Da brauch ich eben keine fetttriefenden Knödel mit Bier und Aufstoßen und Rülpsen. Schwer atmendes Aufstehen. Und das übliche Kreuzweh bei Übergewicht, die Blutdruck- und Zuckertablette.

Wenn Sie mir mal wieder etwas (tun Sie ja täglich) über die Unmöglichkeit, genetisch korrekt in Restaurants zu essen erzählen wollen, werde ich in Zukunft immer nur noch lächelnd: "Hongkong" antworten.

Ach ja: Das Restaurant hat zwei Michelinsterne.

 

 

 

 

 

 

 
 
 

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