Essstörung

20.07.2016
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Davon gibt es grundsätzlich zwei. Die eine lernen Sie am besten am eigenen Leib kennen. Fliegen Sie einfach mit American Airlines innerhalb von den USA. Viel Spaß!

Die andere, die eher heimliche, ist die Essstörung meist junger Mädchen. Ein Drama für die Eltern. Wegen der Unerreichbarkeit des jungen Menschen. Und solch ein Mensch hat mir soeben einen langen, langen Brief geschrieben. Um sich zu bedanken. Hat mir Einblick gegeben in ihr Seelenleben… damals.

    „Durch viele äußere Einflüsse rutschte ich in eine Essstörung. Aus einer normalen, schlanken 14-jährigen wurde eine Magersüchtige. Ich kann es heute aussprechen wie es ist, auch wenn ich mich lange vor diesem Begriff gesträubt habe. Kcal zählen, schwachsinnige 500 Kcal-Diäten, Magersuchtseiten im Internet und Hungern mit 600-800 kcal pro Tag wurden zu meinem Leben. Ich wurde schwach, dünner und ungesund. Dazu bin ich jeden Tag eine Stunde gejoggt, aus panischer Angst, sonst zuzunehmen. Es war kein Laufen aus Freude. Es war eine Sucht.

    Und da kommen Sie ins Spiel… mein Vater… hat mir Ihr Buch gegeben.

    Damals konnte ich mit dem Wissen, das in diesem Buch steckte, nichts anfangen. Eiweiß? Fette? Hilfe nein, davon wird man dick. Ich war immer noch der Meinung, ich könnte nur dünn bleiben, indem ich strikt meinen Sport durchziehe und abends den Hunger aushalte. Von Bausteinen des Körpers, Aminosäuren usw. hatte ich keinen Schimmer…

    Diese Lebensweise habe ich bis vor zwei Jahren durchgehalten. Heute frage ich mich, woher ich manchmal die Energie für das Laufen genommen habe, bei dieser schrecklichen Mangelernährung.

    Dann zog ich für mich einen Schlussstrich. Ich war es leid, dieses Leben zu führen. Ich habe mich im Fitness-Studio angemeldet und beschlossen, ihnen und dem Rat meines Vaters zu vertrauen. Was hatte ich zu verlieren, so wollte ich nicht weiter machen. Ich wollte gesund leben und straff und mit Muskeln sein.

    Habe meine Ernährung umgestellt und halte mich an ihr Buch (besser Bücher: Ich habe sie alle verschlungen). Trainiere vier Mal die Woche für den Muskelaufbau und kann nicht glauben, wieviel Spaß es macht. Esse regelmäßig und pfeife dabei auf die Kcal. Trinke drei bis vier Shakes am Tag und ergänze das Ganze durch Quark, Gemüse, Obst, Nüsse und Fleisch. Ich bin stolz auf mich und jede Veränderung an meinem Körper.

    Ich war nie gesünder und hatte nie eine bessere Figur. Und vor allem war ich niemals glücklicher! Ich bin befreit. Der Druck ist weg und mit einem Lächeln trainiere ich, und mit dem gleichen Lächeln esse ich danach.

    Essen ist kein Feind mehr für mich, sondern der beste Freund für meine Muskeln und meine Gesundheit! Eine Erkenntnis, die ich ohne Sie nicht hätte!“

Der Umschwung? Der Auslöser? Ein väterlicher Ratschlag und ein Buch. Ratschläge hatte sie vorher wohl schon genug bekommen. Also muss irgendein Sätzchen aus dem Buch ihre Seele berührt haben.

Genauso sehe ich Leben. Es sind einige wenige Bilder, Sätze, Worte, Gesten, Berührungen, die unser Leben bestimmen, die es verändern.

Genau darauf baut ja jeder Lehrer. Deshalb werden Bücher geschrieben. Nicht wegen der Fülle, der Masse an Information, sondern in der Hoffnung, dass ein bestimmtes Sätzchen den Menschen erreichen möge. Was es übrigens regelmäßig tut.

Wegen dieses einen entscheidenden Sätzchens übrigens schreibe ich ein Buch nach dem anderen. Ich kenne das: „Wozu eigentlich? Sie haben doch schon genug geschrieben?“ Nix verstanden. Die junge Dame, ihre entscheidende Lebenswende allein rechtfertigt 50 Bücher.

In dem Brief stecken viele bemerkenswerte Gedanken. Beispiel? Darf ich?

    „Man muss sich als Frau durch die vielen Vorurteile kämpfen und durch die Ernährungs-Fitness-Märchen. Beispiel? Eine Frau sollte nur mit leichtem Hanteln (4 kg) trainieren. Am besten in rosa. Bitte keine schweren Gewichte…

Oder das klassische Zitat:

    „Viele können diese meine Lebensweise nicht verstehen. Aber wie sagen Sie so schön in Ihren News, die täglich verfolge? Deutschland schläft, keiner merkt´s, denn der Nachbar schläft ja mit.“

Stimmt natürlich. Aber wenn ein Arzt von sich sagen kann, er habe wenigsten 10, 12, 15 Menschen aufgeweckt… hat sein Leben sich gelohnt.

Übrigens: DANKE!

 
 
 

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