Fettsucht und Verantwortung

09.10.2012
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Soeben stellt das Robert-Koch-Institut in Berlin neue Daten vor zum Gesundheitszustand der Deutschen und ist "ernüchtert". Das Originalzitat ist sogar noch ein bisschen entlarvender:

"Das war nicht vorhersehbar. Dass sich das so entwickeln würde, ist ernüchternd."

Gemeint war die zunehmende Fettsucht der Deutschen. Nichts sonst übrigens. Aber inzwischen (seit 2001, WHO), wissen wir ja, dass die wichtigste Krankheit auf diesem Globus eben jenes Übergewicht ist. Über welches in Deutschland lächelnd hinweggegangen wird. Solange die Politiker uns diese Art zu leben vormachen und sogar noch witzeln ("Lieber dick als dumm", so Sigmar Gabriel über sich) müssen natürlich auch wir, das Volk, den Hüftspeck nicht ernst nehmen.

Anders das Robert-Koch-Institut. Das sei alarmierend. Inzwischen sei fast jeder vierte Deutsche adipös, hätte sich also einen BMI von über 30 erarbeitet. Ist ja alles nicht ganz leicht. Da muss man viel Fernsehen gucken und Chips essen.

Mich amüsiert ganz besonders dieses "das war nicht vorhersehbar". Glatt gelogen. Wenn schon vor 10 Jahren der Präsident der DGE zugegeben hat, dass die Ernährungsberatung in Deutschland versagt hat, so hat sich ja inzwischen nichts geändert. Die Ernährungs-Regeln sind (im Internet nachzuschlagen) immer noch die gleichen. Also war das vorhersehbar.

Besonders amüsant die politische Opposition (SPD, Grüne): Die werfen der Regierung doch tatsächlich etwas vor. Die werfen der Regierung vor,

die Verantwortung zu sehr auf den Bürger abzuschieben.

Also den Bürger verantwortlich zu machen für seine eigene Fettsucht. Unerhört. In unserem Sozialstaat hat gefälligst immer erst mal die Regierung Schuld, notfalls die Gesellschaft, jedenfalls nicht der einzelne. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir einem Übergewichtigen in der Praxis sagen würden: "Sie sind zu dick, weil Sie..."

Kurz und gut: Die Lage ist verfahren. Eine Änderung ist nicht zu erwarten. Schon deshalb nicht, weil ja unendlich viele Experten durcheinander reden. Jeder alles besser weiß. Ich halte mich an die Physik, an die Messung: Die entscheidende Messung ist die Spirometrie und die beweist uns

Kohlenhydrate stoppen die Fettverbrennung.

Neu in Deutschland. Das A und O. Solange also Kohlenhydrate gepäppelt und angepriesen werden in Deutschland, solange es an jeder Straßenecke einen Bäcker gibt, solange wird sich auch nichts ändern. Und das ist vorhersehbar, liebes Robert-Koch-Institut.

Andererseits: Na und? Quem jucket, wie der Lateiner sagt? Solange wir als einzelne, solange wir als Volk damit zurecht kommen, uns arrangieren...

Nur eines: Beschweren dürfen Sie sich dann nicht über Ihren Krebs (News vom 16.04.2012 www.drstrunz.de)! Jedenfalls nicht in meiner Praxis. Nicht mir gegenüber.

 
 
 

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