Feynman hat recht

01.09.2013
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Feynman ist Physiker. Nobelpreisträger. Einer der beliebtesten Physik-Professoren einer ganzen Generation von Studenten. Auch heute, 50 Jahre später, ist sein mehrbändiges Lehrbuch "Physik" das Non Plus Ultra. Steht auch bei mir im Regal.

Natürlich war Feynman auch ein Scherzkeks. Deshalb gibt es bei Piper sechs kleine, höchst lesenswerte Büchlein von und über ihn. Feynman hat mir beigebracht, nichts mehr zu glauben. Außer, ich kann es selbst an mir nachvollziehen. Der tiefere Grund dafür, dass ich in den Ohren mancher von Ihnen so apodiktisch klinge. Als ob ich etwas genauer oder besser wüsste...

In den Worten von Feynman: "SIE haben das gleiche Recht wie alle anderen, selber zu beurteilen, ob man zu einer wiederholbaren Schlussfolgerung gekommen ist, sobald Sie von einem Experiment hören". Genau!

Weshalb ich also nichts mehr glaube, außer...? Na, haben Sie doch soeben (29.05.2013) in allen Zeitungen mitbekommen: Das blanke Entsetzen.

Im Fachblatt CELL war doch verkündet worden, dass man menschliches Leben erstmals geklont habe. Dass man normale menschliche Hautzellen in embryonale Stammzellen verwandelt hätte. Eine Sensation. Und jetzt: Ein und das selbe Foto, ein und die selbe Abbildung wurde mehrfach mit verschiedenem Text verwendet. Glatte Fälschung. Die Fachwelt steht Kopf. Wirklich.

Daraufhin erzählt uns doch tatsächlich der bekannte Krebsforscher C. Glenn Begley, der lange für die Biotech-Firma Amgen gearbeitet hat, dass er und sein Team sich 2012 die Mühe gemacht hätte, 53 wichtige Arbeiten in seinem Fachgebiet unter die Lupe zu nehmen.

"Sie konnten nur 11% reproduzieren. Das heißt: Rund 90% der veröffentlichten Studien hielten nicht, was sie versprachen".

Sehr höflich ausgedrückt. Also Fälschung, zumindest Unfug ist in den höchsten Höhen der biomedizinischen Wissenschaft die Regel. Rein zufällig entdeckt. Was lernen wir daraus?

Wir lernen daraus, dass Feynman recht hatte. Sie verstehen jetzt auch, weshalb ich manche Ihrer Fragen nicht beantworten...möchte. Wenn ich etwas nicht selbst ausprobiert habe, nicht selbst an mir erfahren habe, nicht in meinem eigenen Blut gemessen habe, dann mag ich nicht darüber sprechen.

Lesen Sie daraufhin noch einmal die News vom 31.05.2013. Das typische Beispiel einer Schrottstudie. Dürften für 90% aller Studien zutreffen. Viel gelernt zu diesem Thema haben Sie auch durch die "Vitaminlüge" des Spiegel.

Quelle: Die ZEIT, 29.05.2013

 
 
 

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