Flow mal ganz praktisch

20.10.2017
 

Schickt mir ein treuer Leser sechs Aufsätze. Thema

    Flow, Mediation, Epigenetik
    vom Unsinn der Fakenews, Allegro und Laufbandpflicht

Denk ich mir: Format passt. Thema auch. Ton frisch, jung, geistesscharf. Warum nicht?

Und habe beschlossen, die sechs Absätze in den nächsten Tagen einfach an die News mit anzuhängen. Heute also: Flow mal ganz praktisch.

High.

Gast-News Nr. 1

Falls Sie das „Runner’s High“ noch nicht gespürt haben. Ein Gedicht aus dem Buch „Reflections on Jewish Mysticism“ beschreibt es, zufällig?, ganz wunderbar:

My body will become small and will have to be supported,
But my head already will be high.
Although I will walk,
And I will not look where my feet will bring me.

Gibt es einen einfachen Trick. Sie brauchen eine Straße zum Joggen, am besten Waldboden, der Ihr Gesichtsfeld vollkommen ausfüllt.

Sie sehen also quasi keine Blumen, Bäume oder Begrenzungen an den Rändern links und rechts Ihres Blickfelds. Sie haben nur den Weg im Auge. Am besten noch bergauf. Sagen wir mindestens 1.5km.

Sorgen Sie dafür, dass bergauflaufen normal wird. Und geradeaus entspannend. Kann man trainieren, in 2-3 Wochen.

Dann spielen Sie mal mit Ihrem Gehirn. Sagen Sie Ihrem Gehirn, dass es nicht bergaufgeht. Sondern der Weg flach ist. Die zusätzliche Anstrengung ist normal geworden. Sie könnten es auch auf Ihre mangelnde Kondition schieben. Doch, doch, mit dem Gehirn kann man verhandeln.

Und plötzlich wird der Weg flach. Damit wird Ihr Gehirn Ihnen das Gefühl vermitteln, größer geworden zu sein. Das ist nicht nur eine optische Illusion, sie spüren die Illusion.

Ihr Kopf ist riesig, Ihr Körper dagegen eher zwergenartig.

Das geht genauso mit Schritten. Weil Sie bergauf langsamer laufen, und Sie nun spüren, dass der Weg flach ist, laufen Sie mit riesigen Schritten über eine Landschaft.

Und weil Ihnen der visuelle Kontext links und rechts fehlt, sind die kleinen Steine, die kleinen Matsch-Hubbel Täler und Berge. Über die Sie gewaltig und gemächlich stapfen.

Plötzlich, husch, sind 1.5km, 5.0km, 10.0km, 26.0km, 31.5km blitzartig hinter Ihnen. Und Sie sind nur aufgewacht, weil am Wegesrand ein Freund Ihnen zujubelt. Weil Sie in Relationen gedacht haben. Mensch geworden sind.

Stellen Sie sich vor wie die Welt wäre, völlig ohne Relation. Wenn bergauf normal ist, dank harter Vorarbeit. Und zur Belohnung alles ein ganzer Fluss ist, und Sie Höchstleistung ohne Anstrengung blitzartig betreiben.

Ken Wilber nannte das „onetaste“. Manche sagen „Einzustand“.

Und im Forum sagen Sie „Flow“.

 
 

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