Folsäure – ganz am Rande

17.06.2009
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Andere Länder, andere Sitten. Sie erinnern sich: In USA und Kanada werden – per Gesetz! – jeglichem Mehl Folsäure zugesetzt. Seit 1998. Schon im ersten Jahr hat man damit knapp 50.000 Amerikanern das Leben gerettet. Den Herzinfarkt verhindert.

Ursprünglich wollte man ja etwas anderes. Man wollte bei Neugeborenen angeborene Neuralrohrdefekte verhindern. Also offenes Rückgrat oder Wasserkopf.

Erfolg: 50% Rückgang. 50% weniger Eltern, die sich zu Tode grämen müssen. Wenn Sie mir bitte erlauben, nüchterne Zahlen in die Wirklichkeit zu übersetzen.

Aber man hat noch mehr erreicht: Auch schwere Herzfehler bei Neugeborenen verschwinden langsam aber sicher. Also etwas, was man bisher als „gottgegeben“ hingenommen hat. Die Folsäureanreicherung von Mehlprodukten hat schwere Herzfehler jährlich um 6% verringert. Berichtet eine neue Studie über den Zeitraum von 1990 bis 2005. Also seit 1998 (erst!) jedes Jahr 6% weniger. Das macht ... wo ist mein Taschenrechner.

Noch einmal: Da verschwinden plötzlich massive angeborene Leiden. Einfach so. Bloß weil ein Staat Folsäure ins Mehl mischen lässt.

Nicht in Deutschland. Wir haben ja bekanntlich alle genug Vitamine. Bei uns sind zusätzliche Vitamine ja überflüssig, sogar schädlich. Können Sie täglich (wirklich täglich) in unseren Medien lesen.

Deutschland ist tatsächlich „vom globalen Wissenspool abgeschnitten“ (FAZ). Wir lassen unsere Kinder leiden.

Lit: BMJ 2009: 338:b1673

 
 
 

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