Geheimnis Eisen

17.10.2014
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Das Eisenatom ist das stabilste im ganzen Universum. Wussten Sie das? Entstand damals vor länglicher Zeit, beim Urknall. Findet sich in völlig unveränderter Form in unserer Erde, wandert in die Pflanzen, von dort in die Tiere, und wir... essen es. Wofür? Hauptsächlich für den Sauerstofftransport. Für den roten Blutfarbstoff, das Hämoglobin. Für den Eisenspeicher Ferritin. 

Sternenstaub also ist unser Leben.

Wenn ich etwas über Sportler, wenn ich etwas über leistungsbereite Menschen wissen und sagen möchte, schaue ich als erstes den Eisenspeicher Ferritin an. Seit ich verstanden habe – glauben Sie mir, dass ist alles Geheimwissen – dass Ferritin das Myoglobin widerspiegelt, ihm proportional ist. Mir also sagt, wie viel Sauerstoff die Muskulatur bekommt. Heißt Ausdauer

Und seit ich weiß, dass Ferritin auch die Blut/Hirnschranke überwindet, sagt es uns auch etwas über die Sauerstoffversorgung des Gehirnes. Also unsere geistige Leistungsfähigkeit. 

Ferritin fordere ich – im Unterschied zu fast allen Ärzten, im Unterschied zu allen Labors Deutschland – fordere ich minimal 60 bei der Frau, minimal 120 beim Mann. Ein richtiger Wert ist 300. Den habe ich persönlich. Der erlaubt mir unerschöpfliche Ausdauer, notfalls 40 Stunden am Stück. Wäre ohne dieses Ferritin nicht möglich.

Weshalb nicht? Weil dann der Muskel immer ein bisschen zu wenig Sauerstoff bekommen würde, und nach so ein bis zwei Stunden aufgeben würde. Leuchtet Ihnen ein. Das ganze ist noch viel schlimmer. Hat uns soeben Peter Greif mitgeteilt. So dramatisch und auch so ... lächelnd hintergründig, was uns Ärzte angeht... dass ich’s ausnahmsweise abdrucke. Manche von Ihnen kennen die Story ja schon:

„...mich plötzlich wie einen umgesägten Baum umfallen zu lassen. Der Kopf prallte auf die Straße und das Blut floss kaum stillbar 1,5 h lang! Dann erst kam der Sanitätswagen und brachte mich ins Krankenhaus.

Danach zeigte sich anhand von vorherigen und später gemachten Blutanalysen, dass ich in etwa 20 Prozent meines Bluts verloren hatte. Das hatte erhebliche Folgen, zum Beispiel beim Treppensteigen fühlte ich mich schon angestrengt.

Mit Nahrungsergänzungsmitteln wurde versucht die „Eisenwerte“ im Blut wieder anzuheben. Mein Ferritinwert stieg innerhalb eines  halben Jahres von 21 auf 29 Einheiten. So in etwa 250 sollte ein gesunder Mensch haben. Wenn man das nachrechnet, dann wären Jahre nötig, um diesen Parameter wieder in normale Höhen zu treiben.

Bei dieser Rechnerei kam mir die Erinnerung an Dr. Urs Vögeli, einem Stammkunden, der schon seit Jahren mit uns in die Trainingsurlaube fährt. Er berichtete, dass in der Schweiz, seinem Heimatland, Eisenmangel sofort mit dem Medikament Ferinjekt behoben wird.

Und da ich auch früher schon keine optimalen Eisenwerte hatte, wandte ich mich an meinen Hausarzt und bar um eine Infusion Ferinjekt. Dieser kannte das Medikament nicht und lehnte es dann ab, nachdem er sich informiert hatte. Seine Aussage: „Viel zu gefährlich, wegen zu großer Nebenwirkungen.“

Im nächsten Trainingsurlaub konfrontierte ich Urs mit den Aussagen meines Hausarztes. Der lachte mich aus und sagte: „Wir haben bei uns in der Praxis weit mehr als 1000 Infusionen verabreicht und nicht ein einziges Mal kam es zu besonderen Nebenwirkungen und genauso nicht zu allergischen Reaktionen.“

Nach dem Sturz und dem Blutverlust setzte auch mein behandelnder Kardiologe das Wort „Eisenmangel“ unter den Brief an meinen Hausarzt. „Tolle Ärzte“ dachte ich. Und nun fragte ich den Herzdoktor, ob man nicht den Eisenmangel durch Ferinjekt beheben könne. Seine Antwort: „Ja, das können wir jetzt!“

250 Milligramm wurden mir dann sofort infundiert. Und was dann passierte, war das Überraschendste, was ich jemals in meinem Gesundheitsleben erlebt habe. Drei Tage schien ich auf meinem Radel zu fliegen. Ich suchte wieder Berge, die ich in den letzten Monaten und Jahren gemieden hatte.“

Einzelfall Peter Greif? Ausnahme? Pustekuchen. Wen auch immer ich an Leistungssportlern durchgemessen hatte, hatte mäßig oder viel zu wenig Ferritin. Die waren alle entscheidend in ihrer Ausdauer eingeschränkt. Und wie wir soeben lernen, auch in der Antriebskraft und in der kurzfristigen Leistungsfähigkeit („...Ich suchte wieder Berg...“) Sie haben kapiert, was Peter Greif uns Ärzten hier unter die Nase reibt. Ich hab’s ihm schriftlich bestätigt. Zitat Strunz: “Wir raten immer, beim Heilpraktiker Eisen spritzen zu lassen. Ärzte weigern sich fast grundsätzlich.“ 

Ich weiß genau, wovon ich spreche. Was glauben Sie, wie viel empörte Anrufe von Kollegen ich erlitten habe, wenn ich Eisenampullen verschrieben hatte. Und der Patient Hunderte von Kilometern weg wohnt. Immer das gleiche: „Ich soll Eisen spritzen? Das ist doch tödlich! Hochgefährlich! Ich weigere mich!“

Tja. Na gut. Möchten Sie Berge hinauffliegen? Eisen!

 
 
 

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