Gehirnmedizin - Bewegung

21.08.2006
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Dass für Herz, Muskeln, Knochen, Gelenke und Immunsystem Bewegung eine heilende Wunderpille ist, wissen wir mittlerweile. Was neu ist: Auch das Gehirn profitiert von jedem Schritt, den wir tun.
Und nichts, aber auch wirklich nichts ist besser für den Kopf als Ausdauerbewegung, weder Kreuzworträtseln noch Mind-Mapping noch Vergessenspillen. Die angekurbelte Durchblutung und damit erhöhte Sauerstoffzufuhr – schon ein Spaziergang pumpt 30 % mehr Blut in Ihr verstaubtes Oberstübchen – trainiert das Gehirn. Wie Herz und Muskeln ist also auch das Gehirn bis ins hohe Alter form- und trainierbar.

Frische Birne mit erhöhter Wattzahl

Bisher war man der Meinung, dass Gehirnzellen sich nicht teilen, nicht vermehren, nur absterben können. Heute ist klar: Das gilt für den sitzenden Menschen. Beim laufenden Menschen bilden sich sogar neue Gehirnzellen und die Verdrahtung, Verästelung wird dichter. Auch die Blutversorgung des Gehirns verbessert sich, da die Anzahl der Blutgefäße ins Gehirn zunimmt. Dadurch fließen in jeder Minute mehr Sauerstoff und Nährstoffe zu den Gehirnzellen. Die Fettablagerungen in den Gehirnzellen verschwinden. Das Gehirn regeneriert und wird wieder wach.

...und es ist bewiesen

Der Sportmediziner und Wissenschaftler Prof. Hollmann aus Köln beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit dem Einfluss von Bewegung auf das Gehirn. Er stellte fest, dass bei jeder körperlichen Belastung bestimmte Hirnareale stärker durchblutet werden. Die Folge: Es werden vermehrt Nervenwachstumsfaktoren ausgeschüttet.
Wir wissen, dass je älter wir werden, wir mehr Hirnmasse einsetzen müssen, um ein und dieselbe Aufgabe zu lösen. Der Datenspeicher degeneriert, arbeitet nicht mehr effektiv. Masse statt Klasse. Doch komischerweise beobachtete Hollmann bei älteren Joggern, dass sie beim Lösen der gleichen Aufgaben im Vergleich mit untrainierten Altersgenossen weniger Hirnmasse benutzten. Nix Masse satt Klasse. Ihre Gehirne ähnelten also denen jüngerer Menschen. Woher kam das? War es die Bewegung oder gab es genetische Ursachen? Um das herauszufinden, bat Prof. Hollmann und seine Kollegen von der deutschen Sporthochschule Köln eine Gruppe von völlig untrainierten 65 – 80 jährigen zweimal wöchentlich eine Stunde flott spazieren zu gehen. Nach einem Jahr kam die große Überraschung: Die betagten Sportler hatten innerhalb von einem Jahr Ihre geistige Leistungsfähigkeit verbessert. Die Vergesslichkeit nahm ab, die Merkfähigkeit zu. Gleichzeitig verringerte sich im Vergleich zu der Zeit vor dem Training die Größe des aktivierten Gehirnbezirkes. Das bewegte Hirn arbeitete wieder effektiver.

Es ist nie zu spät

Bewegung steigert die Neubildung von Nervenzellen und deren Kommunikation untereinander. Doch Vorsicht. Viel hilft nicht viel. Laufen ohne zu Schnaufen ist die Devise. Laufen im Wohlfühlbereich. Täglich 30 Minuten. Denn die Regelmäßigkeit zählt! Ihnen macht Laufen keinen Spaß? Dann eben Schwimmen, Nordicwalking oder Tanzen. Mit fast allen sportlichen Unternehmungen halten Sie Körper und Geist jung.

Sie wollen mehr wissen? Dann lesen Sie das Buch „Das Mentalprogramm“ von Dr. Strunz.

 
 
 

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