Gen-Zauber

16.09.2016
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Die Grundidee war von berückender Schönheit: Jede Eigenschaft des Menschen ist programmiert in einem Gen. Auch jede Krankheit. Wenn wir dieses Gen aufstöbern, könnten wir es vielleicht ändern und damit… Krankheiten beseitigen. Zum Beispiel Krebs. Oder ADHS. Diese Idee war die Begründung für Milliarden Dollar Forschungsgeldern, geflossen in die Genom-Forschung.

Leider ist die Idee gestorben. Es gibt nicht DAS GEN. Offenbar gab es immer viele Gene. Und noch viel schlimmer: Gene sind nicht fixiert, sondern flexibel. Können aus und eingeschaltet werden. Stichwort Epigenetik. Das, dachte ich, habe sich in den letzten Jahren herumgesprochen.

Welch Irrtum.

Les ich im August 2016 von Wissenschaftlern (Princeton University), die

    „hunderte von neuen Genen identifiziert hätten, verantwortlich für Autismus“

Und diese neu entdeckten hunderte von Genen könnten helfen, das Problem dieser schrecklichen Krankheit zu lösen. Ach du meine Güte: Uralt-Sprech. Ich dachte, das hätten wir hinter uns?

Wir haben ja noch nicht einmal eine Definition für „Gen“. Wussten Sie das? Das ist alles sehr verwirrend. Es bieten sich viele Möglichkeiten an. Lassen Sie mich einmal aufzählen:

  • Ursprünglich dachte man: Ein Gen ist ein Abschnitt aus dem Genom, eine Sequenz von Basenpaaren (ATGC), welches ein Protein erzeugt.

Das war die Grundidee. Ein Gen, ein Protein. Klare Sache. Heute wissen wir:

  • Eine einzelne ATGC-Sequenz kann viele verschiedene Proteine erzeugen.
  • Manche Gen-Sequenzen sind Schalter, die andere Gen-Sektionen an und abschalten.
  • Manche Gene „schlafen“, bis sie durch Umwelteinflüsse stimuliert werden.
  • Manche Gene sind aktiv nur während einer bestimmten Periode der menschlichen Entwicklung.
  • Andere Gene schalten sich an oder ab während des gesamten menschlichen Lebens.

Tja. Wie soll man dann ein Gen definieren? Da ist nichts mehr übrig von ein „Gen – ein Eiweiß“. Oder „ein Gen – eine Eigenschaft“. Das ist ein eher freundlich-chaotisches Regelwerk, in welchem wir immer wieder neue Verbindungen und Entwicklungen entdecken können.

Und dann publizieren die Forscher aus Princeton University im August 2016 ganz stolz, dass sie 2500 (!!!) Gene identifiziert hätten, die möglicherweise am Autismus schuld sind. 2500!

Wissen Sie, was mich wirklich daran interessiert? Wie die diese ziemlich schwach-sinnige Behauptung umformulieren, um irgendeine Kommission zu beeindrucken, um neue Fördergelder zu bekommen. Denn genau darum geht es ja. Sicherlich eine ganz bewundernswerte geistige Leistung.

 
 
 

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