Generation kurzsichtig

26.08.2018
 

Training, Muskeltraining kann auch schieflaufen. Daneben gehen. Krank machen. Gewusst?

Typisches Beispiel unsere Jugend. In den letzten drei Jahren hat laut Kuratorium gutes Sehen (KGS) die Zahl der Brillenträger in Deutschland um mehr als eine Million zugenommen. Praktisch alle kurzsichtig.

Weshalb?

Falsches Training. Ob wir kurz- oder weitsichtig sind, wird reguliert von der Form des Augapfels. Und die wiederum durch kleine Augenmuskeln. Kleine Wunderwerke. Muskeln, die sich blitzschnell zusammenziehen oder wieder entspannen und es uns so ermöglichen, jetzt gerade ganz da hinten in die Ferne zu kucken, und kurz darauf auf die Uhr an der Wand oder gleich… in die Zeitung.

Der Augapfel verändert fast blitzschnell seine Form, die Sehschärfe wird dadurch variiert und angepasst. Ganz nach Wunsch. Verdanken wir Muskeln.

  • Dürfte ein Satz von allgemeiner Gültigkeit sein. Glaub ich immer mehr, seit ich Uhlenbruck (inzwischen 88) zum Thema Muskeln verstanden habe (News vom 10.01.2014).

Dummerweise kann man Muskeln trainieren. Die passen sich an, wenn Sie als Bodybuilder Tag für Tag den Bizeps anspannen, dann wird er eben groß. Und unbeholfen. Und behäbig. Können Sie jetzt – jedenfalls schnell – nicht wieder gutmachen.

Das Gleiche passiert im Auge. Wenn Sie zu den 50 Millionen Deutschen gehören, die jeden Tag online sind – wenn Sie zu den 14 – 29jährigen gehören, die täglich viereinhalb Stunden auf i-phone oder Computer starren…

dann haben Sie in dieser Zeit Ihre Muskeln trainiert. Angespannt. Daran gewöhnt, den Augapfel lang zu machen. Damit Sie auf 30cm scharf sehen.

Sehen Sie… der Muskel hat das jetzt gelernt. Und macht es ständig. Nennt man „verkürzter Muskel“. Fragen Sie mal Ihren Physiotherapeuten, wenn der wieder den schmerzhaften Schultermuskel massiert.

Wenn Sie den Muskel eben nicht einmal an- und dann wieder abspannen, wenn Sie nicht ständig üben, zwischen verschiedenen Distanzen (weit und nah) zu unterscheiden, dann verkümmern Muskeln und Sehnen. Die bleiben dann so. Und Sie sind kurzsichtig. Wieder einer.

Genauso hab ich´s gemacht. Ab dem 6. Lebensjahr jeden Tag viele Stunden, auch beim Essen, gelesen. Hab´s meinen Kindern weitergegeben. Natürlich.

Heißt andersherum: Kinder, die weniger als eine Stunde pro Tag draußen sind, haben ein um 30% höheres Risiko, kurzsichtig zu werden. Als Kinder, die mehr als zwei Stunden im Freien sind.

Was heißt im Freien? Man adaptiert in die Ferne. Man guckt sich den Baum an, das Eichhorn, das Auto dort hinten. Ein ganz andres Muskeltraining.

Dass Sie auch Ihre Augenmuskeln beim Computer-gucken (Handy, i-phone, etc.) auf Dauer verspannen, kann man ganz leicht beweisen. Wer von Ihnen ist frei von Nacken-/Schulterschmerz? Von verspannter Muskulatur dort? Weil Sie beim Handy-gucken eben nun einmal den Kopf nach vorne neigen und den Rücken rund machen. Eine völlig unnatürliche Haltung.

Muskeln also bestimmen große Teile unseres Lebens. Das Schöne: Kann man auch umtrainieren. Beweis?

  • Vor ein paar Jahren bekam ich Lesebrille. Ach ja, dachte ich, jetzt wirste alt.  Hat mich gestört. Hab ich Leo Angart gelesen.

Ein Büchlein mit Muskelübungen für das Auge. Habe zwei Wochen trainiert. Habe die Lesebrille wieder weggeworfen. Schöner kann man´s nicht beweisen.

PS: Zwar bin auch ich träge und faul, trainiere aber doch ab und zu. Bin ja schon immer auch kurzsichtig. Habe mich von -4,5 dpd runtertrainiert auf -1,5. Immerhin.

PS II: Bitte entwickeln Sie ein bisschen Neugier und Stolz, was das Wunderwerk Ihres Körpers betrifft. Glauben Sie nicht dem Augenarzt oder dem Optiker. Glauben Sie der Eigenverantwortung. Trainieren Sie Ihre Augenmuskeln… um. Fröhlich. Liebevoll. Nicht allzu „preußisch“.

 
 

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