Genforscher werden ehrlich

24.02.2012
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Bleibt ihnen nichts anders übrig. Mehr und mehr Menschen lesen Bücher über Epi-Genetik. Also die Tatsache, dass Gene gar nichts bedeuten. Dass erst der Lebensstil entscheidet. Außerordentlich tröstlich.

Solche Genforscher haben sich soeben in Heidelberg versammelt, eingeladen vom Europäischen Molekularbiologischen Labor (EMBL). Da ging es um Sie. Um Ihren Alltag. Um Ihre Stimmung. Da ging es um jede psychische Störung, Depression, Angststörung, Schlafstörung oder Demenz. Diese Spezialisten sind informiert:

Hier lese ich zum ersten Mal, dass jedes Jahr mehr als 38 % der Menschen in Europa mindestens einmal an einer solchen Störung erkranken. Kostet in der europäischen Union jährlich 674 Milliarden Euro. Das war früher ja mal richtiges Geld. Die Frage war nun, ob die moderne Biomedizin, die Genforschung hier helfen könne. Die überraschende Antwort, außergewöhnlich ehrlich hieß:

"Nein"

Das läge auch an den vielen Lügen. An der mangelnden Ehrlichkeit. An der bewussten Konfusion. An der Tatsache, dass man seinen Mitmenschen eher nicht helfen, sondern sie auf hohem Ross wissenschaftlich verwirren möchte. Beispiel: Für die Schizophrenie hat die Genforschung zwischen 14 und 650 unterschiedliche Mutationen als mögliche Kausalfaktoren ins Spiel gebracht. Also was denn nun? 650 ursächliche Faktoren? Das sollen wir glauben?

Sofort verständlich wird das "Nein", wenn man erfährt, dass Forschungsriesen wie Pfizer und GSK ihre Entwicklungsabteilungen für neuropsychatrische Leiden dicht gemacht haben. Hier fielen auch so lakonische Sätze wie:

Biomarker zur Früherkennung von Geistesstörungen - bestenfalls im Experimentalstadium; Wirkungsvollere Medikamente? Fehlanzeige. Nur die Nebenwirkungen seien heute anders, so etwa bei den Antidepressiva.

Und Psychotherapie? Dazu meint Professor Berger aus Freiburg: Psychotherapie allein betrachtet ist nicht besser als die Pharmabranche. In den 350 Psychotherapie-Schulen hierzulande (wussten Sie das, lieber Leser?) würden genauso Daten versteckt und mindestens 700 Millionen Euro jährlich für Behandlungen ausgegeben, die nie richtig evaluiert wurden (Zitatende).

Sie verstehen evaluiert? Die heute handgehabte Psychotherapie bewegt sich auf dem Niveau von Homöopathie und ähnlichem. Wird auf solch einem hochwissenschaftlichen Expertentreffen lakonisch ausgesprochen.

Ich rede da nicht mit. Kann ich gar nicht. Ich helfe lieber. Ich weiss, was meinen durchaus verzweifelten Patienten hilft:

Laufen!
Genetisch korrekt essen!
Tryptophan und Co!

Denn wer heilt, hat Recht.

 

 
 
 

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