Genforschung am Ende - und jetzt?

18.05.2013
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Einer der führenden britischen Genetiker, Steve Jones, Professor für Genetik an der Uni London, hat uns die Botschaft der Gene seit 1993 in mehreren populär-wissenschaftlichen Büchern übersetzt. Glänzend geschrieben. Und setzt heute, am 18.04.2013 einen Schlusspunkt unter all seine Forschung. Schlusspunkt? Schlimmer noch:

Ein völlig sinnloser, ja gefährlicher Satz in der Genforschung sei "das Gen für X". Je mehr wir über die DNA (also über unsere Erbinformation) lernen, desto unwichtiger, unbedeutender wird dieses Wissen.

Dass Human Genome Project, nämlich die Entschlüsselung der DNA des Menschen ist komplett. Ist abgeschlossen. Nach Steve Jones hat sich herausgestellt, dass es eigentlich Zeitverschwendung war. Was wir heute, stattdessen, benötigen, so meinte er, sei ein Human Social Project. Jetzt wird's interessant...

Es sei völlig sinnlos, so Jones, zu formulieren "das Gen für dies" oder "das Gen für das". Noch bis vor kurzem haben die Wissenschaftler erwartet, sie würden endlich die Gene entschlüsseln für, sagen wir, Krebs oder für Herzkrankheit. Es hat sich als ein großes Geheimnis der Medizin herausgestellt, dass wir diese Gene eben nicht gefunden haben. Und weshalb nicht? Weil sie gar nicht da sind.

In Wahrheit hat das Human Genom Project etwas anderes, unerwartetes bewirkt: Es hat die Wissenschaft von den Genen transformiert, hat uns eine neue große Idee gegeben, nämlich nicht die Biologie zu verändern (das war die große Hoffnung), sondern die Gesellschaft. Schließlich sei die Lebenserwartung seit 1900 dramatisch angestiegen und zwar einzig und allein aufgrund von Umweltveränderungen, nicht aber, weil sich unsere Gene geändert hätten. Eine bemerkenswerte, völlig richtige Feststellung.

Für viele Biologen sei Genetik der heilige Gral geworden. Dahinter steckt natürlich eine faszinierende Idee, das Streben nach angeborener Perfektion. Der perfekte Mensch. Die DNA-Forschung hat uns - gerade weil sie in dieser zentralen Frage enttäuscht hat - den NEUEN WEG GEWIESEN.

Auf dem Weg zum perfekten Menschen (also gesund, glücklich...) geht es eben nicht darum, uns selbst, unsere Gene zu verändern, sondern die Lösung kommt aus der ÄNDERUNG des LEBENSSTILS.

Was Prof. Jones hier bietet, ist die perfekte Hinführung zur Epigenetik. Die aufbaut auf der weltweiten Enttäuschung über das Human Genom Project. Ein Unternehmen, was, wie gesagt, sich als sinnlos herausgestellt hat. Aber erst auf diesem Scheitern konnte die neue Gewissheit entstehen:

Wir haben unser Leben, unsere Gene selbst in der Hand.
Ist das nicht wunderbar?

PS: Persönliche Anmerkung: Der Buchtitel "Auf der Suche nach dem Wunderbaren" hat mich als Leit-idee, als innerer Antrieb über 50 Jahre begleitet. In der Epigenetik habe ich die Lösung gefunden. Wunderbar.

PSII: Human Social Project - ein großes Wort für etwas, was wir vor 23 Jahren forever young genannt haben. Änderung des Lebensstils: Bewegung - Ernährung - Denken.

 

 

 
 
 

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