Genfrei

26.11.2012
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als Bezeichnung auf Ihrer Nahrung ist zwar gut gemeint, aber praktisch niemals richtig. Praktisch nie. Gäbe es Anstand und Ehrlichkeit, würde man diese Kennzeichnung besser weglassen. Weshalb?

  1. 50-80% aller Artikel im Supermarkt sind bei mindestens einem Herstellungsschritt mit Gentechnik in Berührung gekommen. Zum Beispiel mit gentechnisch hergestellten Enzymen.
  2. Mit dem Bio-Siegel als genfrei gekennzeichnete Lebensmittel dürfen eben doch bis zu 0,9% "gentechnisch veränderte Organismen" enthalten.
  3. Damit aus Milch Käse wird, muss das Eiweiß gerinnen und von der Molke getrennt werden. Beschleunigt wird das traditionell mit Lab aus dem Magen von Kälbern, der das Enzym Chymosin enthält. Heute werden solche Hilfsstoffe zum großen Teil von genveränderten Mikroben erzeugt. Solcher Käse muss nicht gekennzeichnet werden. Wozu dann das Ganze?
  4. Das Siegel "ohne Gentechnik" heißt: Die Tiere wurden lange Zeit gentechnikfrei gefüttert, etwa dreiviertel ihres Lebens. Ist dies erfüllt, dürfen sie aber bis zu einem Jahr vor der Schlachtung transgene Pflanzen fressen, Schweine bis 4 Monate vor der Schlachtung. Viel schlimmer: Gentechnisch erzeugte Medikamente sind erlaubt (gibt es Tiere, die ohne Medikamente aufgezogen werden?). Das alles bedeutet also "ohne Gentechnik".
  5. Wo genetisch veränderte Pflanzenstoffe oder Zusatzstoffe drin sind, muss das angezeigt werden. Der einzig ehrliche Vorgang bisher. Aber das war ja wohl eine Selbstverständlichkeit.

PS: Wussten Sie, dass weltweit 74% der Baumwolle Gen-Baumwolle ist? Und 31% des Maises? Für mich persönlich habe ich das Thema abgehakt. Ich weiß um Epigenetik. Meine persönlichen Gene versuche ich tagtäglich in meinem Sinne zu verändern, zu optimieren. Und weiß dabei die Wissenschaft auf meiner Seite.

Quelle: Die Zeit, 16,8.12, S.34

 

 

 

 

 

 
 
 

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