Gespräche in London

05.08.2013
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Die City von London ist auf Zucker gebaut, erklärt uns der Zahnprofessor Sheilham von der Uni London. Nehmen Sie die Tate-Galerie. Gestiftet vom Zuckerbaron Henry Tate.

Schräg gegenüber residiert für 196 Millionen Euro Europas größter Zuckerkonzern: "Südzucker". Chef ist Peter Baron, studiert an der Uni Hohenheim und Freising. Stolz: "Wir sind die größte zwischenstaatliche Regierungsorganisation im Rohstoffsektor weltweit. Bei uns sind die Regierungen Mitglieder, nicht die Industrie. Wir sind unter dem Dach der Vereinten Nationen".

Unter seiner Regie entstehen die immer wieder erneuerten Abkommen auch mit dem deutschen Bundestag (Bundestagsdrucksache 16/10760). Dabei geht es wörtlich um "Förderung der Zuckernachfrage".

Das war's eigentlich. Trotzdem noch ein kurzes Zwiegespräch, weil es so schön ist.

Baron meint, früher hätten ja Regierungen viel mehr die Zuckerpolitik definiert und exekutiert. Inzwischen ist da praktisch alles privatisiert.

Frage: "Für Sie ist vom deutschen Staat aber das Verbraucherministerium zuständig"?
Baron: "Für uns ist das Verbraucherministerium zuständig, ja".
Frage: "Müssen Sie sich mit denen abstimmen über Ihre Politik"?
Baron: "Ich? Nö. Ich bin unabhängig. Ich bin ja ein internationaler Beamter. Ich stimme mich mit meinem Rat ab. Die EU ist da Mitglied. Nicht Deutschland".
Frage: "Ach so, Sie reden gar nicht mit Deutschland".
Baron: "Nein."
Frage: "Ah ha".
Baron: "Also, ich rede natürlich mit denen, weil es Kollegen sind".
Frage: "Aber die haben Ihnen nichts zu sagen"?
Baron: "Nein".
Frage: "Sie sind sich ja auch einig, was die Unschädlichkeit des Zuckers betrifft, beim Übergewicht z.B."
Baron: "Es gibt keine Forschungsergebnisse, die klar Zucker mit einem dieser Krankheitsbilder in Verbindung bringen".
Frage: "Und Ihre stattliche Figur, die kommt demnach auch nicht vom Zucker?"
Baron: "Nö".
Frage: "Sie sind so auf die Welt gekommen?"
Baron: "Mein Großvater war so, meine Mutter war so und ich bin so".

Wissen Sie, liebe geneigte Leser, ich weiß um die Vergeblichkeit meines Wirkens. Im Großen und Ganzen. Zum Glück schreiben Sie mir aber auch Briefe. Dann, wenn der Krebs - nach Zuckerentzug - geheilt ist. Dann, wenn Sie endlich einmal Wunschgewicht haben - dank Zuckerentzug. Dann, wenn Ihr Leben ein bisschen glücklicher und gesünder verläuft - dank Zuckerentzug.

Gegen einen Peter Baron habe ich nicht die leiseste Chance.

Quelle: Das äußerst lesenswerte, typische, bissige Büchlein von Hans-Ulrich Grimm "Garantiert gesundheitsgefährdend".

 
 
 

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