Gibt es immer eine Lösung?

21.06.2015
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Was meinen Sie? Was glauben Sie? Mit welchen Glaubenssätzen sind Sie groß geworden? Nehmen wir an, da gäbe es ein Problem. Der nächste Gedanke heißt schon: Lösung. Probleme sollten gelöst werden. Oder?

Wenn Sie in sich forschen, werden Sie merken, dass Sie mit dieser Gedankenfolge groß geworden sind. Für alles sollte es eine Lösung geben. Jedenfalls theoretisch. Wenn man sich anstrengt. Dieser Grundidee folgt ja auch die Medizin.

Aua. Schon haben wir uns verrannt. Gibt es für jede Krankheit auch eine Heilung? Es gibt das Bemühen darum. Wird von Ihnen, lieber Mitmensch, lieber Patient, grundsätzlich und grob unterschätzt. Das Bemühen der Fachleute, also von Krankenschwestern, Pflegern und Ärzten. Die bemühen sich wirklich.

Tatsächlich haben wir uns wohl alle damit abgefunden, dass es nicht für jede Krankheit auch „die Lösung“ gibt. Ist uns klar. Weshalb übertragen wir dieses Glaubens- oder besser Gedankenprinzip nicht auch auf andere Großthemen?

Lassen Sie mich zwei herausgreifen.

Soeben Pulitzerpreis für Elizabeth Kolbert. Buchtitel „Das sechste Sterben“. Klingt nach dem siebten Kondratieff. Frau Kolbert führt uns den Untergang vor Augen. Klar. Deswegen Pulitzerpreis. Drohmedizin ist immer interessanter als Frohmedizin. Davon leben ja die Medien.

Frau Kolbert beschreibt sehr plastisch und anschaulich das nächste globale Artensterben. Die Ausrottung der Welt. Durch den CO2 Anstieg, der das Meer versauern lässt.

Mal was anderes. Bisher war CO2 verknüpft mit Klimakatastrophe. Mit Temperaturanstieg. Der dummerweise soeben nicht stattfindet. Dumm aber auch. Jetzt also Ozeanversauerung.

Interessant natürlich die Zahl: „Das sechste Sterben“. Es gab schon fünf. Werden sehr wohl besprochen. 99 % aller Arten, die je das Licht der Sonne erblickt haben, sind längst wieder verschwunden. Anlässlich der „Big five“. Heißt: Die Erde, der Globus kennt Artensterben seit Anbeginn der Zeiten. Nichts Besonderes. Nichts Neues. Nur diesmal: Der Mensch sei schuld.

Na und? So ein Buch kann schreiben nur jemand, der sich selbst für etwas ganz besonderes hält. ICH, DER MENSCH. Hybris führt zum Pulitzerpreis.

Zurück zur Überschrift: Da kann man noch so viele anklagende Bücher schreiben. Über sich selbst, den Menschen. Man wird nur das (angebliche) Problem nicht lösen. Eben nicht. Solange die Zahl der Menschen exponentiell zunimmt, wird genau das eintreten, was die Katastrophen-Theoretiker so erfindungsreich vortragen. Irgendwann wird der Mensch sich dran gewöhnen müssen, dass es nicht für jedes Problem eine Lösung gibt. Aus der Medizin doch jedem selbstverständlich.

Noch’n Gedicht? Flüchtlingskatastrophe. Flüchtlingselend. Immer der gleiche Vorgang: Erst bombardieren wir ein Land, dann wundern wir uns… Diesmal heißt das Land eben Libyen. Wenn es da nicht wieder Zahlen gäbe. Sie wissen: Ich liebe Zahlen.

Veröffentlicht in New York: Im Moment erwarten 200 Millionen Menschen in Nordafrika ihr Heil im Norden. In 15 Jahren werden es 1,7 Milliarden sein. Unausweichlich. Zahlen.

Heißt: Die erträumte „Lösung“ gibt es nicht. Wird es nie geben. Das Leben geht einfach… weiter. Bis es endet.

Wenn Sie einmal über das letzte Wort nachgedacht haben, merken Sie, dass es gar keine Probleme gibt. Nur ein Gedankenkonstrukt. Das Leben…endet.

Wenn Sie das traurig stimmen sollte, lesen Sie noch einmal News vom 05.10.2014.

 
 
 

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