Glückseligkeit

18.03.2018
 

Manchmal fliegen einem Bücher zu…die die Seele erschrecken lassen. Solch ein Büchlein hat mir soeben Hubert Schwarz geschenkt. Sie wissen schon: Der Extremsportler, der mich zum Ironman gemacht hat. Der erste deutsche RAAM-Finisher (Wissen Sie, was das ist?). Der mit dem Radel um Australien und dann einmal um die Welt fuhr. Und jetzt zum Frühstück ziemlich regelmäßig den Kilimanjaro besteigt. Älter und weiser geworden…

Schickt mir also ein Büchlein von einem gewissen Hermann Scherer „GLÜCKSKINDER“. Etwas Seltsames. Man braucht nur darin zu blättern. Der Mann hat offenbar viel nachgedacht.

Was mich soeben getroffen hat? Tief drin? Ich zitiere einfach Scherer:

    „Wir wollen einmal 100 Menschen von der Geburt bis ins Alter begleiten. Stellen Sie sich vor, Sie springen am 63. Geburtstag all dieser Leute aus der Torte mit den Worten „Herzlichen Glückwunsch!“ und der Fragen: „Betrachten Sie Ihr Leben als Erfolg?“ Wie viel Prozent antworten mit Ja?

    Ich sage 100%.

    Tatsächlich beantworten aber 59 von ihnen Ihre Frage mit Nein. 36 können die Frage leider nicht mehr beantworten, weil sie schon gestorben sind. Vier beantworten Ihre Frage, wie alle Fragen: mit einem klaren Naja oder einem entschiedenen Jein.

    Und nur einer bleibt übrig und der schreit es heraus: „Halleluja! Ich bin eine einzige verdammte Erfolgsgeschichte!“ – Einer von 100, laut „The books of lists“. Und wenn Sie sich umschauen, können Sie das subjektiv bestätigen.

    Aristoteles nannte Glückseligkeit das einzige Ziel, das um seiner selbst willen erstrebenswert ist -  das Ziel aller Ziele. Er sprach nicht von Zufriedenheit…

    Glück ist ein Maßanzug. Die meisten sterben aber in abgetragenen Anzügen von der Stange oder aus dem Second-Hand-Laden…

    Jeder kommt liebend und lernend zur Welt. Uns wurde das Paradies geschenkt. Wir dürfen es ertasten, erschnuppern, erschmecken. Die Welt kennenlernen, ein Leben lang lernen. Doch was machen wir? Wir opfern das Paradies nach und nach. Den Umständen, der Schule, der Karriere, der Familie. Wir sind keine Selbstliebhaber, wir sind keine Weltliebhaber. Wir sitzen hinterm Ofen und kleben Rabattmarken. Und entscheiden uns dafür, zufrieden zu sein – statt glücklich.

    Ich weiß schon heute, dass ich unzufrieden sterben werde, denn ich war mein Leben lang immer unzufrieden. Ja, die Unzufriedenheit hält mich am Leben, denn so gibt es immer etwas zu verbessern, treibt mich etwas zu tun. Die Unzufriedenheit treibt mich in den Flow. Kann man unzufrieden glücklich sein? Ich glaube schon. Ich weiß es nicht. Ich hoffe es.“

Übrigens: Scherer ist ein seltsam ehrlicher Mensch. Der versucht sogar merkbar, nicht über sich selbst zu lügen, sich möglichst wenig selbst schön zu reden. Höchst merkwürdig.

 
 

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