Graue Haare

22.12.2013
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gelten als Zeichen von Reife. Von Überlegenheit. Werden häufig - graumelierte Schläfen - gerne mitgenommen. Wenn man's nötig hat.

Nicht von jedem. Viele von Ihnen mögen ihre grauen Haare nicht. Kämpfen dagegen an. Das ging nicht nur unserem Altkanzler Schröder oder dem Milliardär Berlusconi so. Und wollen das ändern. Auf natürliche Weise.

Also epigenetisch. Wir hatten uns ja schon einmal unterhalten über den Farbstoff der Haare: Heißt Melanin. Entsteht aus Phenylalanin, einer essentiellen Aminosäure. Die uns normalerweise den Antrieb liefert (über Dopamin, über Noradrenalin). Den Antrieb im Leben. Kann man eigentlich nie genug haben, habe ich immer gedacht. Treffe aber genügend von Ihnen an, die im Aminogramm hier ein Defizit aufweisen.

Aus dem Nähkästchen: Es wird Sie nicht verwundern, dass mein Phenylalanin-Spiegel weit, weit oberhalb der angeblichen Obergrenze liegt. Für mich heißt das: Normal. Sogenannte "Normalwerte" in Ihren Laborbögen akzeptiere ich schon lange nicht mehr.

Aber zurück: also haben viele von Ihnen, unzufrieden mit den grauen Haaren, Phenylalanin (am bequemsten im Form von Tyrosin)zu sich genommen. Nützt nichts. Das wissen wir inzwischen. Immer habe ich betont, dass natürlich andere Stoffe, Katalysatoren notwendig sein müssen (rein logisch), um den Einbau des Farbstoffes, um die Umwandlung zu gewährleisten. Nur… welche Stoffe? Weiß ich auch nicht.

Doch. Weiß ich seit heute. Im FASEB Journal berichten soeben europäische Wissenschaftler, dass die Entfärbung im Haarbalg passiert. Der Schadstoff heißt Wasserstoffperoxid. Ein typisches freies Radikal. Das Signal für das Haar, auszubleichen.

Wasserstoffperoxid kennen Sie. Produzieren Sie unter Stress. Produzieren wir sogar absichtlich, wenn wir hohe Dosen Vitamin C infundieren. Das erzeugte giftige Wasserstoffperoxid in den Tumorzellen tötet diese ab.

Es geht also wieder einmal um das einzig mir bekannte Krankheitsprinzip: freie Radikale. Mit bekannt heißt, dass ich in zehn bis zwanzig Jahren erwarte, dass sich dieses Wissen allgemein durchsetzt. Nun ja.

Jetzt kommt das Neue: Die Forscher haben ein Gegenmittel gefunden. Na was wohl: Eine Katalase. Kennen Sie aus News vom 14.01.2013 www.drstrunz.de. Katalase ist ein Schutzenzym in der Zelle, welches Wasserstoffperoxid in das ungefährliche Wasser und Sauerstoff umwandelt und damit entschärft.

Diese Katalase haben die Forscher elegant erzeugt durch UV-Bestrahlung. Wenn Sie wollen durch Sonnenlicht oder Höhensonne. Kann ich Ihnen nicht empfehlen. Empfehlen kann ich Ihnen: Wasserstoffperoxid, also freie Radikale in Ihren Haarbälgen gar nicht erst entstehen zu lassen. Wie das funktioniert, wissen Sie ja nun schon fast im Schlaf: Kein Stress, viele Antioxidantien. Und genau so erklären sich die bisher drei Fälle meiner Praxis(alle drei weiblich), die es tatsächlich geschafft haben, bei komplett ergrautem Haar schwarze Haarwurzeln wieder nachwachsen zu lassen. Jetzt habe ich verstanden.

Erklärt mir übrigens auch, weshalb man durch extremen Stress "über Nacht" grau werden kann. Wenn wir unsere Wissenschaft nicht hätten...!