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Harari

11.05.2020 | Strunz
 

Irr und wirr ist unser Denken. Ist daher auch unser Leben. Wir schwanken wie Rohre im Wind, wie Schilfgras am Ufer des Roth-Sees….. glauben mal das eine, dann das andere, folgen modischen Trends. Auch im Denken. Auch in der Politik.

Wissen wir natürlich tief im Herzen. Wissen darum, wie hilflos wir sind. Wie ausgeliefert sogenannten Experten, ausgeliefert unseren Ärzten, ausgeliefert unseren Politikern.

Es fehlt uns der feste, der eigene Stand. Das „selbst“. Das wir uns sehr wohl vorstellen können: Wie anders würde sich unser Leben gestalten, wenn wir einen festen Kern hätten, wenn wir von einem erhöhten Standpunkt das Leben, die quirligen Meinungsvielfalten um uns herum abschätzen, abweisen oder annehmen könnten.

Schilfgras im Wind . Lässt sich in jede beliebige Richtung verbiegen. Wissen sie, die „großen Meinungsmacher“.

Solch ein Meinungsmacher derzeit heißt Harari. Ein kleiner, zartgebauter, leiser Professor für Geschichte an der Uni Jerusalem. Drei Bücher. Haben sich mehr als 20 Millionen Mal verkauft. Heute bereist er die Welt, spricht mit den Großen. Von Macron bis Zuckerberg….

Sein Geheimnis?

Hat er uns verraten. Sie hören bloß nicht zu. Hören Sie denn überhaupt jemals zu? Oder huschen Sie nicht doch tagtäglich, minütlich über das wirkliche Leben hinweg? Beim Lesen, beim Denken, beim…. Leben?

Erneuter Versuch. Es geht ums Leben. Um IHR Leben. Also zitiere ich:


„Meditation, so schreibt Harari in einer email, trainiere den Geist….“


Stopp. Halt. Nachdem Sie bei großen Zusammenhängen, bei längeren Sätzen in der Regel abschalten, unterbreche ich sofort: Hier steht das Wort „trainieren“. Mitbekommen? Wissen Sie, was das ist? Trainieren ist stetes Wiederholen. Täglich. Morgens früh. Nichts Selbstverständliches. Kann wehtun, wie jeder Sportler weiß. Man trainiert ja auch Muskeln, oder? Man kann auch das Immunsystem trainieren (Stichwort Corona). Sie können auch Zuwendung, Empathie trainieren. In dem Sie TUN! Aber weiter im Text:


„…trainiere den Geist, die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was gerade passiere, und nicht eine Wirklichkeit zu sehen, wie man sie sich vorstelle oder wie sie Menschen in ihren Geschichten erfinden….“


Stopp. Halt. Es geht um Wirklichkeit. Nicht um Träume, Phantasien, in welchen sich viele von Ihnen verlieren…. ach ja, ich müsste einmal joggen, ach ja, ich müsste einmal ins Fitness-Studio. Ach ja, ich sollte vielleicht auf leere Kohlenhydrate verzichten. Ach ja….. Träumereien. Hat mit LEBEN nichts zu tun. Harari spricht ausdrücklich von Wirklichkeiten! Von der Realität! Und weiter im Text:


„….Geschichten erfinden. Meditation erlaube uns, diese Geschichten zur Seite zu schieben und zumindest für eine kleine Weile die Realität mit größerer Klarheit zu erkennen.“


Genau. Genau darum geht es. Genau daher rede ich mir seit 30 Jahren den Mund fusselig zum Thema Meditation. Wird von fast allen unter Ihnen als „Randgebiet“, als „unwichtig“ nach links geschoben. Einer der derzeit berühmtesten Schriftsteller, ein Professor hält Meditation für das Geheimnis seines Erfolges. Für zentral! Denn


„… ohne Meditation hätte er, sagt Harari, niemals seine Bücher schreiben können.“

Und: Akzeptiere die Welt so, wie sie ist. Das klingt fast wie Buddhismus, auch wenn Harari weder an einen Gott noch an einen Buddha glaubt.“


Das genügt. Habe ich Ihnen Ihre Lebenslücke, Ihre Lebenslüge genügend dringlich nahe gebracht? Wahrscheinlich immer noch nicht. Ihre Sperren, Ihre Mauern, auf gut deutsch Ihre Trägheit schützt Sie vor dem Erwachen. Erinnern Sie sich noch an Ouspensky? Den Schüler des tanzenden Derwisch Gurdjieff? Der – jedenfalls mir – das erschreckendste und wichtigste über das Leben beigebracht hat? Nein? Sehen Sie… genau das meine ich.

Sie sind von so vielen hilfreichen Menschen umgeben. Menschen, die es gut mit Ihnen meinen. Die Ihnen gelegentlich Wesentliches mitteilen. Und Sie (können?) es gar nicht aufnehmen, verstehen.

Wissen Sie weshalb? Hat Ihnen Harari soeben erklärt. Weil Sie nicht meditieren.

Und ich habe ganze Bücher darüber geschrieben, so viele Seminare zum Thema gehalten.

Gut. Einverstanden. Irgend so ein kleiner, verlorener Landarzt aus der Provinz…. muss man nicht zuhören. Verstehe ich. Aber einem HARARI….?

Hat´s immer noch nicht gefunkt? Dann zitiere ich erneut:


„Barack Obama nennt Harari eine Quelle der Inspiration. Mark Zuckerberg lädt ihn ins Silicon Valley ein. Bill Gates hat ein Buch für die „New York Times“ besprochen, Angela Merkel und Emmanuel Macron empfingen ihn zum Austausch. Sebastian Kurz plauderte öffentlich mit ihm über Liberalismus, Christine Lagarde befragte ihn über die Zukunft…. Harari, der große Erklärer.“


Quelle: DER SPIEGL Nr. 13/21.03.2020, Seite 110.

 
 

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