Heilung schadet der Wirtschaft

04.03.2019
 

Goldman Sachs ist die größte Bank der Welt. Hat ganz sicherlich sehr kluge Analysten. Hat Einsicht in Zusammenhänge, von den wir kleinen ahnungslosen Ärzte nichts verstehen.

Beweist soeben Salveen Richter. Angestellte von Goldman Sachs. Die die Pharmaindustrie warnt. Warnt vor „zu guten Präparaten“. Warnt vor wirkungsvollen Pillen. Warnt vor Therapien, die wirklich helfen.

Solche Therapien wären wirtschaftlicher Selbstmord. Meint Goldman Sachs. Und beweist das recht nachdrücklich am Beispiel der Firma „Gilead Sciences“.


Die Firma hat eine Gentherapie entwickelt. Um Hepatitis C zu heilen. Und erreicht tatsächlich Heilungsraten von 90%.

In der Medizin eine ungeheuere Zahl. In diesem Fall ein Faktum. Prompt hat diese Firma allein in der USA im Jahre 2015 diese Gentherapie für 12,5 Milliarden Dollar verkauft.

Und jetzt fällt der Gewinn von Jahr zu Jahr. 2018 werden ´s wohl nur noch 4 Milliarden Dollar sein.


Goldman Sachs warnt. Diese erfolgreiche Behandlung von Hepatitis C hat den „Pool“ von Patienten erschöpft. Zum einen wurden die Leute geheilt (unerhört! Ganz unerhört!) und dann wurde gleichzeitig die Anzahl von Virusträgern, von ansteckenden Patienten verringert, so dass der „Pool“ automatisch weiter abnimmt.

Folge: Die Firma geht Pleite. Weil sie zu gut ist. Weil sie am Ende jeden Krankheitsträger (Hepatitis C) heilt. Dumm aber auch.

Goldman Sachs (Zitat): Das ist gut für den Patienten, gut für die Gesellschaft, aber ein Problem, nämlich der Bankrott (hier höflich „challenge“) der Pharmafirmen, die schließlich auf anhaltenden cash flow (sustained cash flow) angewiesen sind.

Ausweg aus diesem Dilemma? Tja, was würden Sie vorschlagen? Einfach gewohnt schlechte Pillen (wie bisher üblich) herstellen? Oder, wenn man schon so hochwirksame Gentherapien entwickelt, dies nur für Krankheiten zu tun


wo der Pool, der Vorrat an Patienten immer gleich bleibt, oder sogar wächst. Als Beispiel wird hier Krebs genannt. Oder Hämophilie (Wachstumsrate 7% jährlich).


Goldman Sachs hat mich beeindruckt. Auf die Idee, dass man als Arzt „zu gut“ sein könnte, dass man damit den Patienten-Pool verkleinert oder sogar erschöpft, bin ich noch gar nicht gekommen.

Aber keine Sorge: Solange wir an jeder Straßenecke einen Bäcker finden, werden wir Ärzte immer genügend zu tun haben.