Hoffnungslosigkeit

13.09.2015
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Ist der sicherste Weg in Krankheit, Leid und Tod. Bekannt und bewiesen. Wenn dann jemand Hoffnungslosigkeit sogar predigt, entzieht er sich meinem Verständnis. Als Mitmensch. Als Wissenschaftler. Als Arzt.

Dabei fängt er recht verschmitzt-genial an, der Prof. Dr. Lauterbach, um ein Haar Gesundheitsminister. Sein neues Buch nämlich titelt er

                                               Die Krebsindustrie –

                                               Wie eine Krankheit Deutschland erobert

Muss auch ich schmunzeln. Was meint er mit Krankheit? Den Krebs? Die Krebsindustrie? Beabsichtigt.

Er kritisiert auf schärfste die Krebsindustrie, also die forschende Pharma. Bezieht sich freilich – ganz Arzt und Politiker – von vorneherein auf einen Irrweg, einen Irrtum. Auf die sogenannten „neuen Medikamente“, welche nicht wie Chemotherapie blind um sich schießt, sondern nur Signalwege innerhalb der kranken, der entarteten Zelle angreift.

Der Gedanke ist ja verführerisch und scheint logisch.

Bis man sich mit diesen neuen Medikamenten einmal beschäftigt. Prof. Lauterbach kritisiert insbesondere die Monopolisierung und die Preisgestaltung. Die ja ganz ungeheuerlich ist (pro Jahr und Patient 50.000 bis 150.000 €).

Und glaubt wirklich, dass hier zwar enorm viel Geld umgesetzt wird, die Grundlagenforschung aber längst aufgegeben worden sei, nämlich, ich zitiere, Projekte, die darüber entscheiden, wann Krebs heilbar wird. Wann? Ach du meine Güte.

  • Er verschiebt wieder einmal alles in die ferne Zukunft
  • Glaubt, dass 60% der Krebsfälle durch „noch so gute“ Vorbeugung nicht zu vermeiden seien. Glatter Unfug. Schon der Direktor der Deutschen Brustkrebsgesellschaft spricht als Hauptrisikofaktor von Übergewicht, Bewegungsmangel, falschem Essen. Schon Frau Prof. Kiechle, München, weiß, dass 50% der Brustkrebsfälle allein durch Joggen vermeidbar wären…

Und dann bricht es eben doch aus ihm heraus. Er schreibt doch tatsächlich hin, dass Patienten aufgrund dieser neuen teuren Medikamente in Wahrheit nur wenige Wochen länger leben. Bei deutlich verschlechterter Lebensqualität (im Vergleich sogar zur Chemotherapie). 

Er schreibt doch tatsächlich hin, dass Patienten realistisch über diese neuen Therapien aufgeklärt werden müssten. Dann würden sich viele gegen die Behandlung entscheiden (wussten Sie das?).

Insgesamt ist sein Werk das typische Sammelsurium von Hoffnungslosigkeit. Kritische Schulmedizin. Ein Kritiker, der uns auch die letzten kleinen, möglichen, verzweifelt gesuchten Tröstungen…aus den Händen schlägt. Ein Arzt?

Ein deutscher Professor, der nichts weiß von der Indianerstudie 1910. Der nichts weiß von der entscheidenden Rattenstudie 1913. Der den Brief Albert Schweitzers von 1913 nicht kennt. Der all die Kollegen (meist Chirurgen) nicht kennt, die aus den britischen Kolonien berichten, dass dort „Krebs nicht vorkäme“.

Wieder ein deutscher Professor, der nicht weiß, dass das Problem Krebs längst gelöst ist. Wenn man einmal die Nasenspitze aus den Büchern, aus den Reagenzgläsern anheben würde und in die Natur gucken würde. 

Krebs, aggressiven Krebs gibt es in der Natur nicht. Und es ist längst bekannt, weshalb.

Quelle: DER SPIEGEL 35/2015, S. 110

 
 
 

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