„Ich fliege“

21.10.2017
 

Schreibt mir eine junge Dame. Wenn man kurz nachdenkt, unerhörte Worte. „Ich fliege“: ein bisschen gekifft? Nun, allen Leserinnen und Leser dieser Web-Site ist dieser Begriff wohl vertraut. Dieses wunderherrliche Gefühl des Fliegens können Sie ja tatsächlich machen. In dem Sie etwas TUN. Ich kann´s immer wieder nur betonen. Die Welt steht Ihnen offen! Sie haben´s selbst in der Hand. Zwei Möglichkeiten:

  • Das Gefühl des Fliegens kann man biologisch erreichen. Mit Molekülen.
  • Oder mental über die Kunst der Meditation.

Persönlich hab ich mir das Gefühl einmal für ein paar Sekunden an einem Brückengeländer verschafft. Welches ich überflogen habe und immerhin 8 Meter Freiflug genoss. Methode nicht empfehlenswert. Glauben Sie mir.

Die junge Dame teilt uns das Rezept sehr präzise mit. Auch die mühsame Vorarbeit. Man kriegt eben nichts geschenkt.

  • „… habe endlich eine Eiseninfusion vom Hausarzt verordnet gekriegt, nachdem der Ferritin-Spiegel bei 57 lag. Die Tabletten nicht angeschlagen haben… Ich habe dem Hausarzt gesagt, dass ich keinen Ferritin-Spiegel unter 100 akzeptiere… Nach langem Hinundher ließ er sich überzeugen, echt mühsam!!!“
  • „Siehe da, Sie haben das selber so schön beschrieben; ich „krieche“ nicht mehr, ich „fliege“, und die Lebensfreude kehrt endlich zurück…!!! Ich könnte weinen vor Glück.“

Noch bin ich nicht so abgestumpft, als dass mich Worte wie „weinen vor Glück“ nicht berührten. Seit wann schenken Ärzte ihren Patienten solche Gefühle? Wann endlich spricht sich so etwas herum? Wann endlich verstehen Sie die wahre Revolution der Medizin, die Sie hier Tag für Tag miterleben?

Aber zurück zum Ferritin. Für Sie eine nackte Zahl. Für mich gelebtes Leben. Jahrelang (sicher über 10 Jahre) habe ich mir Ferritin erarbeitet. In Testläufen. Persönlich drei Mal die Woche 10km (wichtig wegen der Regeneration) bei verschiedenen Ferritin-Spiegeln. Unterschiede gemessen. Meine Triathleten an den Kanal geschickt: 5 km oder 10km Laufstrecke bei verschiedenen Ferritin-Spiegeln.

Und habe gelernt, dass der bei jedem Hausarzt erlaubte Ferritinwert von 25 oder 30 für den Körper eine Katastrophe ist. Weiß der Hausarzt nicht. Der ist halt kein Läufer. Der macht auch solche Experimente nicht. Der glaubt einfach.

Ich bin Physiker. Ich habe nie geglaubt. Ich habe gemessen.

Und weiß heute durch solche peniblen Messungen, dass Sie mit Ferritin 87 sehr wohl persönliche Bestzeit auf 10km laufen können. Dass ein Ferritin 95 sehr wohl genügt, um im Marathon eine Bestzeit zu laufen.

Vorsichtshalber schlage ich immer etwa 50 drauf. Was weiß man. Ich verlange heute von Ihnen als Mann 130 als Untergrenze. Bei einer Frau – haben Sie je über diesen Unfug nachgedacht? – sollen 60 genügen. Nun… ich will nicht ständig der Querulant sein, der seinen Kollegen widerspricht.

Eine Frau, so lerne ich in den Lehrbüchern, habe nun mal einen tieferen Eisenspeicher. Das läge an der monatlichen Periode. Stimmt. Ja und? Weiß das Ihre Wade? Weiß die Wade, die soeben Marathon läuft, dass sie einem Mann oder einer Frau gehört? Nein, weiß sie nicht. Sehen Sie: Drum die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Sport.

Sie akzeptieren mir zu viel Unsinn. Auch von uns durchaus ernsthaften Ärzten in weißen Kitteln.

Seit auf dem Kardiologen- Weltkongress in Orlando als Untergrenze für ein gesundes Herz Ferritin 100 festgesetzt wurde… hat jeder Hausarzt Unrecht, der Sie bei 50, 60, 70 tröstet oder sogar abweist. Bitter Unrecht!

Nur: Vergessen Sie nie den Schlenker zum Glück. Die Fortführung Ihrer Gedanken ins Positive. Sie haben etwas gelernt. Andere Menschen – in dem Fall ich – haben für Sie gearbeitet. Sich Gedanken gemacht und haben dieses Wissen weitervermittelt… Damit Sie „weinen können vor Glück“.

Heißt wiederum: Der Mensch ist gut: Grundsätzlich. Wir helfen einander. Grundsätzlich. Wer bitte sagt, dem wird beigestanden. Grundsätzlich. Haben wir doch – ich weiß, ich weiß – in der aktuellen Flüchtlingskrise sehr wohl erlebt. Tagtäglich. Seien wir doch einmal ein bisschen stolz auf uns.

Und werden wir übermütig. Das hat die junge Dame getan. Sie hat „meinem Mann wohl spontan das verrückteste Geburtstagsgeschenk des Lebens gemacht… Ich habe ihm eine Teilnahme am Grand-Prix von Bern, Kategorie  Sie&Er geschenkt… Ich packe die 16km, mit gefülltem Eisenspeicher, an der Seite meines Mannes…“

16km? Kein Pappenstiel. Ich wünsch ihr viel, viel Glück und vielleicht sogar Freude.

Dazu passt ein Bild in der Post soeben: Ein Adler. Präzise das gleiche Bild wie auf dem Logo „forever young“. Diesmal aber in Natur fotografiert. Wunderschön. Mit dem Text:

  • „Diese Radtour in Frankreich in 1600 Höhenmetern können wir, 67 und 62 Jahre, dank Ihrer unermüdlichen News, die uns immer wieder motivieren, wieder machen.
  • Dieser Vogel ist uns heute begegnet und spontan dachte ich: ein Gruß von Dr. Strunz. Sie schenken uns jeden Tag Energie und gute Laune.

Nachgedanke: Wir sind in Deutschland 450.000 Ärzte. Können wir uns wirklich nicht zumindest gedanklich zusammenschließen? Das Können haben wir doch? Und Sie tagtäglich motivieren, solche Briefe zu schreiben. Das gegenseitige Glück wäre doch wohl so überwältigend, dass wir die „böse Polletik“ (Zitat Adenauer) einfach vergessen würden.

 
 

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