Ich liebe Stress

30.01.2014
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Stress ist etwas Herrliches. Ich brauche Stress. Ich lebe mit Stress. Ich liebe ihn. Er hält mich am Leben. Er gibt mit Feuer und Lebensenergie. 

Erkläre ich Ihnen regelmäßig in meiner Praxis dann, wenn Sie sich über Ihren Stress beklagen. Und Sie gucken  mich immer an mit offenem Mund.

Natürlich spreche ich dann weiter: Es gibt nichts Dümmeres, als die Einbildung, Sie könnten stressfrei leben. Sie könnten den Stress in Ihrem Leben beseitigen. Einfach so. Sie könnten sich, noch dazu stressfrei, scheiden lassen. Ihre Stellung, Ihren Beruf einfach so wechseln. Oder vielleicht auswandern… Und dann dort, in Kanada, in Neuseeland plötzlich stressfrei leben. Was für eine Hybris! Wo auch immer Sie hingehen, Sie tragen immer sich selbst mit sich herum. 

Die Lösung liegt eben nicht in einer stressfreien Umgebung, in einem stressfreien Leben, sondern … die Lösung liegt in Ihnen. Machen Sie sich selbst unverwundbar. Bauen Sie sich eine Mauer. Undurchdringlich für all die stressigen Anforderungen im Leben. Und wie baut man solch eine Mauer?

Können Sie biologisch errichten. Sie kennen Magnesium, das Salz der inneren Ruhe. Sie kennen Tryptophan, was Ihnen Abstand verschafft, was Sie souverän macht. Ja, sogar ein festes Muskelkorsett (ab sechs Kilo, persönliche Erfahrung) schafft Ihnen auch mental ein dickeres Fell. 

Das ist der eine Weg, den anderen haben Sie in den ersten Sätzen gelesen: Ihr Glaube. Ihre Glaubenssätze. Mein Glaubenssatz lautet: Ich liebe Stress! Und schon… Kann er mir nichts mehr anhaben. 

Glauben Sie nicht? Tja. Da gibt es Frau Prof. Kelly McGonigal, die bisher immer gepredigt hat, dass Stress Sie krank macht. Die Stress zu Ihrem Feind erklärt hat. Ihr ganzes wissenschaftliches Leben. Und jetzt genau das Gegenteil erzählt, freilich fein differenziert.

Sie berichtet über eine Studie an 30 000 Erwachsenen über 8 Jahre. Erst haben diese Menschen angeben müssen, wie viel Stress sie im letzten Jahr erlitten hatten. Und dann antworten dürfen auf die Frage: „Glauben Sie, dass Stress Ihrer Gesundheit schadet?“ Das war’s.

Tatsächlich starben die Leute mit mehr Stress zu 43 % häufiger. Aber nur– und das ist neu – von denen, die glaubten, dass Stress ihrer Gesundheit schadet. 

Menschen mit viel Stress, die dies nicht glaubten, hatten keine häufigere Todesrate aufzuweisen. Im Gegenteil: Die lebten am längsten in dieser Studie, länger als die Menschen, die kaum oder keinen Stress angegeben hatten.

Fazit: Es ist Ihr Glaube. Wieder einmal.

Und wenn Sie wirklich noch nicht wissen, wie man sich neue Glaubensätze schafft, dann lassen Sie sich die eintrichtern. Stichwort: Therapie in Trance. Stichwort: Milton Erickson. Schlagen Sie die gelben Seiten auf. Es gibt in Ihrer Stadt genügend Psychotherapeuten, die diese Methode gelernt haben.

 
 
 

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