Im Laufschritt zum Glücksdoping: Die drei Gänge der Seele

12.12.2006
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Der bewegte Mensch mixt sich jeden Tag einen Hormoncocktail. Ein Cocktail aus Glücksbotenstoffen. Wirkt wie Doping - für Sie und vielleicht auch für Ihre Mitmenschen. Denn gute Laune, genauso wie Spontaneität, die Sie als Läufer an den Tag legen, wirken ansteckend. Ganz zu Schweigen von zunehmender Eloquenz und Geistesblitzen. Hormoncocktail? Dafür brauchen Sie: Schuhen und frische Luft. Und Sie ernten je nach Tempo alles - von Glück über Kreativität bis hin zum Rausch.

Gute Laune im ersten Gang

Laufen Sie locker. Tippeln Sie im Gehtempo vor sich hin, so als ob Sie noch 40 km vor sich hätten. Das ist das Gute-Laune-Tempo: In Ihrem Körper steigt der Serotonin-Spiegel an. Das körpereigene Antidepressivum schenkt Ihnen Heiterkeit und Abstand zu Ihren Problemen. Die Welt wird bunt und ist plötzlich voll neuer Möglichkeiten. Nutzen Sie dieses Tempo zum Einlaufen auch an Tagen, an denen Sie eigentlich nicht mögen. Sie laufen sich Lust an, Lust auf eine zusätzliche Laufrunde oder einen höheren Gang.

Das Tempo für gute Laune:
Laufen Sie bei 60% – 70% des Maximalpulses.
Tempo und Herzschlag (Puls) gehören zusammen. Ihren maximalen Herzschlag, Ihren Maximalpuls (HFmax) erreichen Sie nur mit höchster Anstrengung, mit schnellstem Tempo, mit Sprinten. Das ist nicht immer gesund. Gerade wenn Sie bisher überzeugter Bewegungsmuffel waren. Deswegen gehen Sie auf Nummer sicher und errechnen Sie Ihren ungefähren Maximalpuls. Und fühlen Sie dann beim Laufen, ob die Faustformel für Sie richtig ist.
HFmax für Männer: 220 – Lebensalter
HFmax für Frauen: 226 – Lebensalter

Probleme lösen im zweiten Gang

Sie haben Lust auf mehr bekommen? Dann schrauben Sie Ihr Tempo hoch. Schalten Sie in den zweiten Gang. Ihre Wahrnehmung wird sich nach innen richten. Auf Ihre Gedanken, auf Probleme, die Sie schon lange mit sich herumtragen. Und plötzlich zerplatzt die Seifenblase und die Lösung ist da. Auf solche Geistesblitze und Spontanlösungen sollten Sie gefasst sein. An machen Tagen ist die Ideenflut so überwältigend, dass Sie gut daran tun ein Diktiergerät mitzunehmen. Denn selbst mit getuntem Gehirn kann so manch genialer Ansatz auf der Strecke für immer verloren gehen.
Mit solchen Erlebnissen müssen Sie im zweiten Gang rechnen. Denn bei diesem Tempo, bei 70% – 80 % des Maximalpulses, überflutet das Kreativitätshormon ACTH (Adrenocorticotropes Hormon, Hollmann 1988), auch als gutes Stresshormon bezeichnet, Ihren Körper. Es öffnet den Zugang zu Ihrem Bauch, zur Intuition. Es macht den Weg frei für innovative Ideen. ACTH, ein Hormon der Hypophyse (Zirbeldrüse) - ein Hormon der Stressachse - senkt Ihren Blutdruck, senkt den Puls, lässt Ihren Körper entspannen, während Ihr Geist hellwach und kristallklar wird.
Wenn Sie gewieft sind, dann laufen Sie morgens. Vom Morgenlauf profitieren Sie den ganzen Tag: Die Denkschiene bleibt offen, macht sich auch Stunden nach dem Laufen am Schreibtisch noch bemerkbar. Übrigens brennt ACTH auch das 'Fett zwischen Ihren Gehirnzellen' weg und macht so den Gedankenfluss, die Kommunikation der Zellen untereinander, wieder möglich.

Das Tempo für Ideen:
Laufen Sie bei 70% – 80% des Maximalpulses.

Berauschendes Glück im dritten Gang

Wenn Sie jetzt einen Gang höher schalten, haben Sie einen Affenzahn drauf. Das spüren Sie, das spürt Ihr Körper. Die Beine beginnen zu schmerzen und trotzdem federn sie leicht über den Boden. Berühren ihn kaum. So fühlt sich Fliegen an. Ein berauschendes Gefühl zwischen Schmerz und Ekstase, zwischen Weinen und Lachen. Der Atem wird schnell und tief. Er durchflutet wohlig Ihren ganzen Körper. Das sind Endorphine pur. Endorphine stillen den Schmerz und lassen Sie eintauchen in einen Glücksrausch. Das ist das berühmte Runners-High, nach dem jeder Läufer aufs Neue giert. Vorsicht, Suchtgefahr! Nicht dass Sie so wie ich täglich immer länger Ihre Laufschuhe ausführen und zum Junkie werden.

Das Tempo für den Glücksrausch:
Laufen Sie bei 80% – 90% des Maximalpulses.