Impressionen Evolutionäre Medizin und Gesundheit, Teil I

09.10.2018
 

Gast News Nr. 58

 

Das Symposium für „Evolutionäre Medizin und Gesundheit“ vom 29.09.2018 (siehe News) war spannend und sehr gut organisiert. Ich möchte Ihnen einige Eindrücke nicht vorenthalten. Diese News kann dem Umfang der Präsentationen natürlich nicht gerecht werden. Hier also die notierten Highlights und aufgrund des Umfangs in mehrere News eingeteilt.

Übrigens, saß rechts neben mir auch die Ihnen bekannte Fettexpertin Ulrike Gonder („Sollten Sie kennen“, siehe News 19.07.2017). Links neben mir Frau Prof. Ulrike Kämmerer (siehe News 08.09.2018). Maximaler Wissensinput von allen Seiten. Das heilende Netzwerk wächst!

Zu Beginn eine Einleitung von Dr. Sweeney. Sie erinnern sich, der Chefarzt der Strahlentherapie Schweinfurt, der 2014 bereits zitiert wurde:

„Wir alle, aber auch Krebspatienten sollten darauf achten, den Blutzuckerspiegel niedrig zu halten.“ (siehe News 09.09.2014).

Herr Dr. Sweeney kennt die Totschlagargumente, wie: „So falsch können wir uns gar nicht ernähren. Wir Menschen leben doch über 30 Jahre länger als vor 200 Jahren.“.

Denn er vertritt mit allen anderen Vortragenden die „Evolutionäre Medizin“. Deren wissenschaftlich fundierte Argumente bei manchen auf taube Ohren stoßen mögen,…

Laut Frau Dr. Sabine Paul ist Evolutionäre Medizin die Schnittstelle aus Evolutionsbiologie und Medizin. Das erinnert natürlich sofort an Darwin und „Survival of the fittest“. Sie weist zu Beginn darauf hin, dass die Erkenntnisse Darwins gerne missverstanden werden. Es geht eben nicht nur um das nackte Überleben und die Dominanz des Stärkeren.

Evolutionäre Medizin (EM) ist wie auch die Evolutionstheorie deutlich komplexer und interdisziplinär. EM bedient sich u.a. auch der Archäologie (Stammbäume), der Anatomie (Zahn, Knochen), der Ethnographie (Hadza), der Mikrobiologie (Mikrobiom), der Genetik (Epigenetik!), der Ökologie (Schwermetalle), der Ernährungsmedizin/Onkologie (Keto), Physiologie (Salz) und der Evol. Psychologie (ADHS).

Ihr Vortrag berührt Themen wie Infektionskrankheiten und seinen klassischen Teufelskreislauf. Erreger werden von Antibiotika Gabe bekämpft. Was folgt ist die Resistenz Bildung gegen Antibiotika. (Neue) Erreger befallen den Körper. Den Selektionsdruck reduziert man durch ein klares Abschätzen des Bedarfs nach Antibiotika. Diese Resistenz-Bildung könne durch u.a. durch Zugabe von Vanillin durchbrochen werden und Antibiotika wieder effektiv machen (siehe Nature Vol. 559, p. 259–263 (2018)).

Frau Dr. Paul präsentiert auch einen neuen Blick auf die Neurodermitis. Für Neurodermitiker ist eine gesunde Haut-Mikrobiomschicht besonders wichtig. Myles et. al. 2018 zeigten auf, dass ein „Bakterien-Spray“ mit „Roseomonas mucosa“ gesunder Probanden bei Neurodermitis helfen konnte.

Dann das Thema Mikronährstoffe und „Zoopharmakognosie“, das tierische Medizinwissen. Laut einer Studie von 2008, wurden in nigerianischen Schimpanzen mehr als zwei Dutzend unverdaute Blätter der Schmetterlingsblütler gefunden. Diese sind mit Widerhaken versehen. Bei Wurmbefall aßen die Tiere bewusst (somatisch?) diese Pflanzen, um die Würmer auszukratzen.

Kann man sich mit Safran zu Tode lachen? Bei 30-100mg/Tag über 4-12 Wochen wurde Placebo kontrolliert eine Reduktion von Depression und Angststörung festgestellt (Shafiee et al. 2017). Allerdings kann es bei einer Aufnahme von 2-3gr. auch zu einer Atemlähmung durch Euphorie führen. Die Wirkung von Gewürzen ist eben nicht zu unterschätzen! Mehr dazu finden Sie auch in ihrem Buch „Gehirndoping mit Gewürzen“. Sehr angenehm zu lesen.

Zum Schluss des Vortrags eine Einführung in die „Wächter-Hypothese“, der Grund für unterschiedliche Schlafrhythmen. Laut der Hypothese machte es in einer Gruppe von Menschen Sinn, dass einer wach blieb. Das periodische Aufwachen ist also evolutionär bedingt und die Folge sind heterogene Chronotypen, also unterschiedliches Schlafverhalten.

Übrigens: laut der Studie Samson et al. 2017 haben Kinder keinen Einfluss auf das Schlafverhalten der Eltern. Zumindest bei einem Urvolk wie den Hadza am Lake Eyasi.

Das macht Mut…

 
 

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