Interview - Was Bewegung für Geist und Seele bewirkt

12.08.2016
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1. Herr Strunz, jeder weiß, dass Sport gut für Körper und Seele ist. Trotzdem gibt es massenhaft Sportmuffel. Was glauben Sie woran das liegt?
Das liegt an der natürlichen Trägheit des Menschen. Sport bedeutet Anstrengung und Schweißfüsse. Weshalb sollten die Menschen dann Sport treiben? Wir haben mit der Forever Young Idee die Menschen von diesem Schreckensgespenst Sport befreit. Wir haben ihnen gezeigt, dass sanfte Bewegung, also leichtes, lockeres, lächelndes Laufen das Leben leichter macht, von Übergewicht befreit, Glückshormone stimuliert, das Gehirn aufweckt, kurz – das Leben wieder lebenswert macht.

2. Wenn jemand nun mit sportlicher Betätigung anfängt, wie lange dauert es, bis sich körperliche und geistige Verbesserungen einstellen?
Die Verbesserungen merkt der Mensch am ersten Tag. Auch hier hat die Sportmedizin lange gesündigt und Erfolg erst nach Wochen und Monaten verbissenen Trainings versprochen. Erfolg wie Fitness, Gesundheit usw. Tatsächlich werden Glückshormone schon in der ersten halben Stunde freigesetzt und lassen den Menschen fröhlich den Kopf heben, tatsächlich wird das Gehirn schon in der ersten halben Stunde deutlich mehr mit Sauerstoff versorgt und wacht auf. Dieses Glücksgefühl kennt jeder nach dem Joggen unter der Dusche....

3. In Ihren Büchern wird deutlich, dass Jogging und Nordic Walking Ihre Favoriten unter den Sportarten sind. Aus welchem Grund?
Jogging und Nordic Walking ist besonders effektiv, weil dabei große Muskelgruppen bewegt werden Das sind beim Jogging etwa 70%, beim Nordic Walking etwa 90%. Argumente, die einen Sportmuffel natürlich nicht motivieren. Die Forever Young Begründung liegt in der Natürlichkeit: Gelaufen sind wir schon mit 3 Jahren. Das können wir. Dazu braucht es keine komplizierte Ausrüstung, lediglich die 2 Beine. Und Nordic Walking ist „entschärftes Joggen“, also praktisch Spazieren gehen mit 2 Stöcken. Das traut sich jeder zu, da fällt die natürliche Hemmschwelle weg. Daher auch die sensationell schnelle Verbreitung dieses Finnen-Sportes.

4. Der Puls ist beim Trainieren offenbar sehr wichtig. Können Sie das näher erläutern? Wie sieht der ideale Pulsschlag aus?
Der Puls bei der Bewegung ist tatsächlich entscheidend. Ist er zu tief, lohnt es sich nicht, ist er zu hoch, zerstört man den Körper, typisch für den Leistungssportler. Dazwischen liegt das ganze Geheimnis, ein enger Bereich von 10 bis 20 Pulsschlägen, in welchem effektiv Fett verbrannt wird, in welchem effektiv Stresshormone verbraucht und Glückshormone stimuliert werden.

5. Welchen Einfluss hat Stress auf Glückshormone?
Bewegung setzt Glückshormone frei. Also Serotonin beim langsamen, Endorphine bei schnellerem Lauf. Das lesen viele Menschen, laufen los und sind enttäuscht. Sportmediziner sprechen selten über die Voraussetzungen. Diese Hormone bestehen aus Aminosäuren, also aus Eiweiß. Viele Menschen haben viel zu wenig Eiweiß im Blut und laufen deswegen den Glückshormonen vergeblich hinterher. Zur glücklichen Bewegung gehört also auch die glücklich machende Ernährung.

6. Manche Jogger werden geradezu süchtig danach und laufen um das „Runner´s High“ zu erleben, also die Euphorie beim Laufen. Sport ist zwar gesund, aber wann fängt es an zuviel des Guten zu werden?
Die Menschheit liebt die Sucht. Hat man früher Giftpilze genossen, ist es heute die Zigarette, der Alkohol oder Modedrogen wie Kokain. Alle diese Drogen zerstören die Gesundheit. Alle. Mit Ausnahme der Bewegung. Lauf-Sucht macht gesund („Die Heilkraft der Bewegung“, Spiegel 2006). Jeder beim richtigen Puls laufende Mensch kann sich nicht schaden. Nur Sport, verstanden als Leistungssport, macht häufig krank. Churchill hatte schon Recht.

7. Haben Sie manchmal gar keine Lust auf Sport?
Sport hat mich immer abgeschreckt. Gibt es etwas Grauenvolleres als starre Trainingspläne oder als hecheln, keuchen, schwitzen? Ich bewege mich. Bewege mich täglich. Bewege mich, wie das jedes natürlich lebende Wesen tut, also Kinder oder jedes Reh. Mit Sport hat das gar nichts zu tun.

 
 
 

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