INTERVIEW

28.03.2012
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1. Sie sind bekannt als der "Fitnesspapst" und haben schon sehr viele Menschen für regelmäßige Bewegung begeistern können. Als Arzt behandeln Sie auch Burn out-Patienten. Welche Empfehlung geben Sie diesen in Bezug auf regelmäßige Bewegung - Vor allem wenn die Kraft kaum noch reicht (von Lust wollen wir gar nicht sprechen)?

Erst tanken, dann fahren. Weiß jeder Formel-I-Pilot. Bedeutet für den Burn out-Patienten: erst brauchen wir die Energie, dann können wir loslaufen. Und die Energie kommt aus den Mitochondrien. Den Kraftwerken der Zelle. Beim Burn out-Patient offenbar zu wenig Energie. Was kann er tun? Diese kleinen Maschinchen richtig füttern. Mit den essentiellen, den nötigen Stoffen. Welche man braucht? Weil die Antwort so einfach ist, Ihnen viel zu simpel erscheint, schreib ich's ausnahmsweise erst einmal wissenschaftlich korrekt auf. Sie brauchen:

  • Für die Funktionalität der Mitochondrienmembran Omega3
  • Für die Fettsäureoxidation und den Citratzyklus Alpha-Liponsäure, Coenzym Q 10,Glutathion, L-Carnitin, Vitamine B1,B2, Niacin, Pantothensäure, Magnesium
  • Für die Elektronentransport-Kette Eisen, Kupfer, Mangan, Selen, Q10

Das war Wissenschaft. Heißt auf Deutsch ganz banal: Essen Sie Fisch, essen Sie Salat und Gemüse. Das wars. Aber eben nicht nur ein bisschen, sondern...hauptsächlich. Lassen Sie also für ein paar Wochen den überflüssigen Müll weg. Konzentrieren Sie sich auf .... reine Energie!

2. Welchen Einfluss hat Bewegung, vor allem Ausdauertraining wie Laufen oder Walken, auf den Zellstoffwechsel, speziell auf die Mitochondrien und damit auf die Energiegewinnung?

Wenn sie dann (erst dann) loslaufen, erleben Sie einen Turboeffekt. Denn das Laufen steigert die Durchblutung, die Sauerstoffversorgung der aktiven Muskulatur um den Faktor 10. Mindestens. Das ist ungeheuer viel. So viel Sauerstoff vertragen Ihre Kraftwerke, die Mitochondrien gar nicht. Müssen sich anpassen. Was Anpassung heißt? Die Mitochondrien, die Kraftwerke, werden erst größer, und dann vermehren sie sich. In Summe hat der tägliche Läufer sechsmal mehr Kraftwerke, also sechsmal mehr Energie als der Nichtläufer.

Das kann man messen am ATP-Umsatz. Am Energieumsatz in der Muskelzelle. Man wird buchstäblich vom Zweizylinder zum Zwölfzylinder.

Wunderschön zu demonstrieren am Herz. Es gibt das Zwölfzylinderherz eines Hochleistungssportlers. Mit Ruhepuls von nur 30. Und Maximalpuls 200. Diese enorme Drehzahlbreite (so würde man das beim Automotor nennen) macht genau den Unterschied zum "Normalsitzenden" aus. Höchstleistung ist biologisch ganz einfach zu begründen.

3. Welchen Einfluss hat gerade der von Ihnen empfohlene Laufstil oder das Walken auf den Hirnstoffwechsel und unsere Glückshormone?

Wenn Prof. Hollmann, der Nestor der Deutschen Sportmedizin, uns 1988 zurief: "Beweg Deine Beine, und das Licht im Gehirn geht wieder an", dann meinte er zunächst die gesteigerte Sauerstoffversorgung im Gehirn. Die aber hat Folgen. Es werden jetzt sogenannte Glückshormone stimuliert. Das Interessante: Geschwindigkeitsabhängig. Auch Sie haben drei Gänge. Sie können ganz langsam joggend Serotonin frei setzen. Macht innerlich fröhlich, gibt Abstand. Man fühlt sich wohl, betrachtet die Gegend, freut sich über die Natur und den Partner ... bis man die Geschwindigkeit steigert. Normaltempo erreicht.

Dann wird mehr ACTH freigesetzt, ein Hormon der Stressachse. Von Hollman 1988 sehr richtig das Kreativitätshormon genannt. Bei mittlerem Tempo also beschäftigt man sich mit Fragen und Problemen, die man in das Joggen mitgenommen hat. Wird kreativ. Findet Lösungen. So wundervoll beschrieben von Joschka Fischer in seinem Buch.

Steigert man das Tempo weiter bis an die Obergrenze, bis ins Wettkampftempo, werden Endorphine stimuliert. Rauschhaftes Glück. Man konzentriert sich nur noch auf den Körper, hört in ihn hinein, ist voll fokussiert... Und geniesst. Höchstes Glück, wie mir Marathonläufer versichern.

Dem Läufer öffnen sich völlig neue Welten. Innere Zufriedenheit, neue Ideen und rauschhaftes Glück kann man sich erlaufen!

 
 
 

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