Ja, wir sind gescheitert.

09.07.2014
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Wäre eine klare, wahre Antwort auf eine kurze, präzise Frage, gestellt vom Spiegel. Gestellt an die deutsche Gesellschaft für Ernährung. Die DGE.

Aber auf solch eine Antwort werden wir lange warten. Würde auch gar nicht in unsere politische Kultur passen. Die klare, unverblümte Wahrheit.

Aber zurück zum Spiegel, der sich ganz offensichtlich auch zunehmend ärgert über die DGE. Und mit der Spiegel-eigenen Ironie ein Interview beginnt mit folgender Einleitung:

„Antje Gahl, 46, Ernährungsberaterin und Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), erklärt, warum 64 % der Männer und 49 % der Frauen in Deutschland zu viel wiegen.“

Erklärt also. Folgt ein kurzer Auszug aus dem längeren Interview:

Spiegel: Frau Gahl, nach jüngsten Erkenntnissen ist jeder zweite Deutsche zu dick ...
Gahl: Wir können nur Empfehlungen geben...
Spiegel: Der Bund fördert Ihre Arbeit mit über 3 Millionen Euro im Jahr. Ist das rausgeschmissenes Geld?
Gahl: Wir tragen Forschungsergebnisse zusammen...
Spiegel: Hat die DGE denn eine Strategie entwickelt, damit die Deutschen dünner werden?
Gahl: Es gibt die 10 Regeln der DGE für gesunde Ernährung...
Spiegel: Das liebste Kantinenessen der Deutschen ist seit Jahren Currywurst mit Pommes.
Gahl: Auf den Menüplan in deutschen Kantinen haben wir leider keinen Einfluss...

Geheuchelte Hilflosigkeit pur. Glatt falsch: Einfluss hat die DGE all überall. Jede deutsche Universität, jeder deutsche Ernährungswissenschaftler hält sich an die DGE Regeln. Jede Volkshochschule, jede Fachhochschule muss sich daran halten. Und jede Lehrerin, jeder Lehrer in der Schule sowieso. Der muss wirklich.

Resultat: Deutschland wird immer dicker. Daher die deutliche Frage des Spiegels an die DGE: „Sind Sie gescheitert?“ Heißt: Könnte es sein, dass mit Ihren Regeln was nicht stimmt?

Das Beste an dem Interview: so deutliche Fragen kennt Frau Gahl wohl üblicherweise nicht. Und prompt hat sie sich versprochen. Aber gleich so etwas von tödlich... Mehr dazu morgen.

Quelle: Spiegel 24/2014, S.50

 
 
 

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