Kein hinderliches Fett

30.05.2012
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Ein merkwürdiger Ausdruck. Aus dem Munde eines Olympiasiegers. Matthias Steiner nennt das seine "nicht hinderlich". Wovon spricht er?

Von 25% Körperfett. Also von 36 kg reinem Fett. Und die nennt er nicht hinderlich. Da rattert mein Zahlengehirn:

Der junge Mann wurde in Peking Olympiasieger mit gestoßenen 258 Kilogramm. 8 Kilo über seiner bisherigen Bestleistung. 8 Kilo also heißen in seinem Sport Goldmedaille.

Und der trägt 36 Kilo Körperfett mit sich herum. Nehmen wir an, er würde statt 25% nur 10% - immer noch ein anständiger Wert - Körperfett besitzen, dann wäre er 22 Kilogramm leichter. Da muss man genau hingucken:

Gewichtheber heben das Gewicht nicht mit den Armen, sondern mit den Oberschenkeln. Alle Last oberhalb der Oberschenkel also müssen sie mit der Beinmuskulatur nach oben stemmen. Nicht nur die Hantel, sondern natürlich auch das Körpergewicht oberhalb der Hüften. Und da könnte er doch tatsächlich 22 Kilogramm reines, völlig überflüssiges Fett einsparen.

Wie war das? 8 Kilogramm brachten ihm die Goldmedaille. Wenn er 22 Kilogramm Körperfett abspecken würde - wie geht das? (das weiß der mit Sicherheit nicht) - wäre er weltweit unschlagbar. Denn dann könnte er theoretisch seine Hantel um 22 Kilogramm schwerer machen. Und genau das zählt.

Und der nennt seine 25% Körperfett "nicht hinderlich". Ich staune immer wieder.

Dahinter steckt der uralte Glaube: "Man braucht schon Masse, um Kraft zu entwickeln" (Zitat von ihm). Verwechseln die da nicht irgend etwas? Wenn er gesagt hätte Muskelmasse, wäre das korrekt. Braucht man wirklich Fettmasse, um Kraft zu entwickeln? Natürlich nicht.

Weshalb ich meine, dass der von mir selbstverständlich bewunderte Olympiasieger nicht weiß, wie er 22 Kilogramm Fett ohne Kraftverlust abnehmen kann, schließe ich aus der Tatsache, dass er Diabetiker ist. Daran leidet. Aber keinen Ausweg kennt. Nicht den goldenen Satz des Diabetespapstes Mehnert kennt: "Es gibt keine Diabetes Typ II, es gibt nur zu dick".

Dazu passt sein kurzes Ernährungsstatement: Beim Training "trinken wir dann Kohlenhydrat-Shakes. So viele Nudeln kann man gar nicht essen". Passt.

Aber Vorsicht bei der Kritik am Aberglauben "Kraft braucht Masse": Sie wissen hier Bescheid. Noch lange nicht jeder Sportler. Noch lange nicht jeder Olympiasieger. Die glauben tatsächlich, wenn sie 22 Kilo abspecken (Fett verlieren), würden sie schwächer. Weil sie genau diese Erfahrung natürlich hinter sich haben. Die haben "falsch" abgespeckt. Die haben mit dem Gewicht eben auch Spurenelemente, Mineralien, Vitamine, Aminosäuren, verloren. Und wurden tatsächlich schwächer. Hier ist entscheidend die Blutanalyse vorher und nachher. Und fast immer die richtige Nahrungsmittelergänzung. Dann freilich kann man ohne weiteres 22 Kilogramm Fett abbauen und sogar stärker werden. Für viele Sportler auch heute noch undenkbar.

Sportlern mache ich schon lange keine (leisen) Vorwürfe mehr über ihr Unwissen. Die Verantwortung hier trägt der zuständige Sportmediziner. Und jetzt schweige ich lieber höflich.

 

 
 
 

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