Kohlenhydratsucht

06.01.2012
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Gestehen Sie mir oft verschämt. Im Praxiszimmer. Es beginnt zunächst mit der Bestätigung: "Doktor, verstehe ich alles. Kohlenhydrate stoppen die Fettverbrennung. Sollte ich also einschränken oder ganz darauf verzichten. Aber wissen Sie was: Immer abends krieg ich solch einen Heißhunger auf etwas Süßes..."

Sie brauchen sich nicht zu schämen. Sie sind in bester Gesellschaft. Die Amerikaner kennen hier den Fachbegriff "Craving". Scheint also etwas Übliches zu sein.

Nicht in meinen Augen. Ich halte sehr viel, wie Sie wissen, von der medizinischen Wissenschaft. Nicht von der Schulmedizin. Also schlage ich das Buch "Neurowissenschaften" von BEAR, 2009, auf. Liegt auf dem Schreibtisch meines Töchterleins. Und finde dort auf Seite 558 den entscheidenden Satz:

"Ungenügende Tryptophanmengen könnten die Ursache für das beim Menschen beobachtete Phänomen der Kohlenhydratsucht sein"

Wir sind ein bisschen weiter: Könnten nicht nur, sonder sind es sogar. Jedenfalls heile ich regelmäßig Ihren Heißhunger auf Süßes, indem ich den Serotoninspiegel anhebe. Mit Tryptophan. Bekommen Sie rezeptfrei, frei verkäuflich in jeder Apotheke. Sie kennen auch die Dosis: Ein paar Gramm abends. Wenn Sie es genau wissen wollen: zwischen 3 Gramm und 20 Gramm hab ich alles schon selbst problemlos getestet.

Natürlich habe ich dabei Hintergedanken. Ich lese nämlich im gleichen Buch auf der gleichen Seite den Satz:

"Erhöhte Tryptophanmengen im Gehirn korrelieren mit einer besseren Gemütsverfassung, verminderter Ängstlichkeit..."

Sie lesen hier die biologische, die handfeste Begründung von Depression und Angstzuständen. Sie lesen hier, weshalb der führende Psychotherapeut Deutschlands, Prof. Dr. Holzboer diese seelischen Zustände Stoffwechselkrankheiten nennt. Da stimmen einfach die Moleküle nicht. Und das kann man messen und beheben. Behauptet er seit 25 Jahren.

Und was tut der Psychotherapeut in Ihrer Stadt?

Wenn Sie selbst nachlesen, finden Sie dann so beruhigende Sätze wie "Die Tryptophanmenge im Gehirn hängt davon ab, wie viel Tryptophan im Blut vorhanden ist..." oder "Je mehr Tryptophan, desto mehr Serotonin und je weniger Tryptophan, desto weniger Serotonin."

Serotonin ist, wie Sie wissen, das sogenannte Glückshormon. Entsteht aus Tryptophan. Ein erhöhter Serotoninspiegel schützt vor Depression, wie die Pharmaindustrie weiß. In diesen Mechanismus versucht sie ja mit Chemie einzugreifen. Kratz ich mir immer den Kopf: Weshalb nicht auf natürliche Weise anheben? Antwort klar: Kostet zu wenig.

Weshalb das Ganze von zentraler Bedeutung im Gesundheitswesen ist? Weil laut europäischer Erhebung jedes einzelne Jahr in Europa 38 Prozent der Menschen eine solche psychische Störung erleiden. 38 Prozent jedes Jahr! Hätten Sie das gedacht?

PS: Natürlich und hoffentlich ist Ihnen bewusst, dass sie allein mit täglichem Laufen den Serotoninspiegel im Gehirn anheben können. Drum hat Kleinfeld (Chef von Siemens, jetzt Alcoa) immer so gelächelt. Mir auch unvergesslich.

 

 

 

 

 

 
 
 

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