Komplex

09.10.2013
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Wenn ich etwas nicht mehr vertrage, ist es die Bemerkung, dass irgendetwas ein „komplexes Thema“ sei. Höre ich täglich, lese ich täglich in der Zeitung zum Thema Euro-Krise. Das sei für uns Laien, für uns Bürger, die wir die Suppe gerade auslöffeln, nicht überschaubar. Es sei nämlich „zu komplex“, das Thema Euro-Krise. Dabei weiß jedes 6jährige Mädchen, dass Überschuldung bankrott bedeutet. Was ist daran „komplex“?

Wirtschaftswissenschaftler würden sich so nicht ausdrücken. Das tun nur Politiker. Ich meine, „die lügen mich frech an“. Das mit dem Lügen setze ich beinahe voraus. Aber das frech…

Wenn Sie jetzt hellhörig geworden sind, wenn Sie jetzt ein bisschen aufpassen beim Lesen, wird Ihnen auffallen, dass auch Kindererziehung kompliziert sei. Ein komplexes Thema. Was für ein Unfug: Kinder ahmen nach. Wie der Herr, so das Gscherr. An Kindern erkenne ich die Manieren der Eltern.

Selbstverständlich ist auch richtige Ernährung kompliziert. Beweis: Gehen Sie mal zu Aldi oder Lidl. Wer vor diesen Regalen nicht verwirrt steht, leicht erhöhten Puls bekommt… Sie nicht. Sie haben inzwischen alle verstanden, dass Ernährung kinderleicht ist: Jedes Reh macht es uns vor. Sie brauchen einfach nur so 20-, 30 tausend Jahre zurückdenken. Die hatten gar keine Wahl. Genau das ist der Trick.

Auch Geldanlage und Altersversorgung ist ein sehr komplexes Thema. Ist sehr kompliziert. Sagen Ihnen die Berater in den Banken. Dabei wusste schon meine Oma: Ganz einfach. Der sicherste Weg ist das Geld unter der Matratze. Vom mir aus auf dem Sparkonto mit täglichem Zugriff. Alles andere wird… tatsächlich kompliziert.

Wissen Sie, was hinter all diesen Überlegungen steckt? Hat wunderschön zusammengefasst und ausgedrückt Egli. Sollten Sie kennen. Ein Philosoph in der Schweiz. Der mal meinte:

„Die Welt ist das, was der einzelne Mensch von der Welt denkt. Und der Mensch denkt das von der Welt, was er ist. Das bedeutet: Ein Mensch, der kompliziert ist, der kann nicht anders, als die Welt kompliziert zu sehen. Daraus folgt: Nicht das Leben ist kompliziert, sondern die betreffenden Menschen sind kompliziert.“

Volltreffer. Versteht man ziemlich schnell. Denken Sie doch bitte beim heutigen längeren Lauf einfach über diesen Gedanken nach. Da fängt man anschließend an, seine Bücherregale auszuräumen, alte Kleider wegzuwerfen, usw. Egli hat aber noch einen weiterführenden Gedanken:

„Man kann alles sehr kompliziert darstellen. Aber man kann es auch ganz einfach haben. Ich habe den Verdacht, dass es Menschen gibt, die bewusst die Dinge kompliziert darstellen – und andere, die es einfach nicht anders können, weil sie kompliziert sind. Einer meiner Professoren…“

Ach ja. Wenn Sie viel lesen, öfter Bücher aufschlagen, Zeitungsartikel studieren, werden Sie die Wahrheit dieses Satzes sofort erkennen. Weshalb ich gerade heute darauf komme?

Weil einer von Ihnen mich bittet (auffordert?) doch ein bisschen genauer zu unterscheiden zwischen Alpha-Zustand, Tiefschlaf, Meditation usw. Ich würde das zu sehr durcheinandermengen. Und laut Wikipedia sei das alles doch sehr scharf getrennt.

Ach, Bub: Als ob ich das nicht wüsste. Nach 50 Jahren täglicher Meditation. Aber lesen Sie doch Wikipedia mal tatsächlich nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstseinszustand Komplizierter geht’s nimmer. Wer das liest, lässt aber sofort die Hände von der Meditation. Und wird an das Wort Alpha-Zustand nur noch mit Schaudern denken. Also ob ich nicht wüsste, weshalb ich mich möglichst schlicht und einfach ausdrücke. Oh… laut Egli hieße das, dass ich genau so bin.

So hatte ich mich eigentlich bisher noch nicht gesehen. Aber man lernt dazu.

Quelle: LOLAIMPULSE Nr 107, Juni 2012

 
 
 

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