Kreativität und Doping

28.10.2013
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Der Nestor der deutschen Sportmedizin, Prof. W. Hollmann, hat nicht nur mich, einen völlig unsportlichen Sitz-Arzt, mit einer faszinierenden Beobachtung zum Laufen gebracht. Der Entdeckung nämlich, dass dort oben, im Gehirn, das Licht wieder angeht, wenn man nur beginnt, die Beine zu bewegen. Bewiesen – was mich besonders beeindruckte damals – mit Hilfe des PET. Gab`s damals, 1988, nur sehr wenige in Deutschland.

Im gleichen Jahr machte Hollmann noch eine zweite, viel wichtigere Entdeckung. Über den Zusammenhang von Körper und Geist. Das begann zunächst mit dem entscheidenden Satz:

Kreativität ist machbar

Dieser geheimnisvolle, nebulöse Begriff Kreativität wurde von Hollmann fassbar gemacht. Verständlich übersetzt in die Sprache der Biochemiker. Und wiederum war die Gebrauchsanleitung, kreativ zu werden, denkbar einfach. Darf ich zitieren?

"Körperliches Training bewirkt zudem eine vermehrte Produktion und Sekretion von ACTH (adrenokortikotropes Hormon). Dieses fördert

  • Konzentration
  • Lernvermögen
  • Kreativität"

Nachzulesen am 19.12.88 in der Selecta 51. 2 Woche vorher bin ich das erste mal in meinem Leben gejoggt. Hab's dann gelesen und habe plötzlich...meine mir damals dämliche Beschäftigung verstanden als Weg. Als Ausweg.

Denn ACTH öffnet das Türchen zur neuen Welt. Das hat schon Joschka Fischer in seinem berühmten Buch genau so beschrieben: "Seit ich laufe, habe ich wieder neue Ideen". Und genau um neue Ideen geht es ja im Leben, wenn Sie mehr möchten, weiter kommen möchten, sich verändern möchten.

Von Stund an habe ich in meinen Seminaren vom Kreativitäts-Hormon ACTH geschwärmt. Aber die Geschichte geht ja noch weiter. Hochspannend!

Hollmann hat die Wirkung dieses Wunderhormones ACTH verstärken können. Mit Mutterkorn. In der Fachsprache mit einem Dopamin-Agonisten (Pergolid). Und machte dabei eine erstaunliche Beobachtung. Ich zitiere:

"Nicht nur die submaximale Belastbarkeit lässt sich damit steigern, sondern auch die maximale Leistungsfähigkeit. Außerdem wird kaum mehr Laktat gebildet: Das ideale Dopingmittel".

Na, wenn das nicht eine Entdeckung war. Da wird der Mensch zunächst kreativ, bekommt überraschende neue Ideen und kann dann mit einen Trick (vielleicht war das so eine überraschende neue Idee) seine maximale Leistungsfähigkeit steigern, ohne dass die Muskeln, wie üblich, sauer werden.

Kommentar eines bayerischen Leistungssportlers, beim Lesen dieses Artikels: "A Hund warer scho, der Hollmann!"

 
 
 

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