Laufschuhe

18.08.2010
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Leichtfertig und naiv hab ich mir 1988 mein erstes Paar Laufschuhe gekauft. Die sollten einfach hübsch sein. Und irgendwie passen. Und dann bin ich halt 3 Monate später den ersten Ironman gelaufen. Wie gesagt: Naiv. Die Schuhe habe ich heute noch und trage sie heute noch gerne. Völlig abgeschliffen, abgehatscht, aber meine Güte: Ich dachte immer, dass Schuhe die Fußsohle vor Steinen schützen sollten. Mehr nicht.

Heute sind wir viel klüger. Es gibt keine Laufschuhe mehr zu kaufen. Es gibt nur noch orthopädische Geräte.

Als erstes werden Sie gefragt nach Pronation oder Supination. Was auch immer das ist. Dann wird ein Fußabdruck im Stehen angefertigt. Um Fehlstellungen aufzudecken. Und dann müssen Sie auf dem Laufband laufen, um zu erfahren, dass bei Ihnen nichts, aber auch schon gar nichts stimmt. Es aber - zum Glück - ein passendes orthopädisches Ausgleichsgerät gäbe: Der Schuh.

Laufen ist also in erster Linie ein medizinisches Problem geworden.

Der Fuß ist eine Krankheit
und der Laufschuh ist
die passende Krücke dazu.

(Zitat Focus 2010)

Irgendwann hab ich dann die Entdeckung gemacht, dass Pronation und Supination beim Läufer überhaupt nicht vorkommen ... können. Dass beide Begriffe eine künstliche Erfindung sind. Welche das Abrollverhalten des Fußes von der Ferse zum Vorfuß beschreiben. Ein Abrollverhalten, das beim normalen, gesunden, seit Millionen Jahren eingeführten Laufen des Menschen überhaupt nicht vorkommt.

Sondern künstlich eingeführt wurde durch die Erfindung des Absatzes. 1550.

Noch nicht einmal beim Gehen, noch nicht einmal beim Marschieren, wenn also wirklich Pronation und Supination eine Rolle spielen, noch nicht einmal dann bringt ein orthopädischer Ausgleich irgendeinen Vorteil: Woher wir das wissen?

US-Forscher ließen 1400 Marine-Soldaten 12 Wochen lang laufen. In speziell auf ihre Füße zugeschnittene Spezialmodellen oder in irgendwelchen Tretern.

Resultat: Nach 12 Wochen keinerlei Unterschied. Kein Vorteil und kein Nachteil.

Wenn Sie mich in den letzten 20 Jahren unter vier Augen gefragt haben, nach den richtigen Schuhen gefragt haben, habe ich immer gleich geantwortet: Nach Gefühl: Nehmen Sie das Paar Schuhe, das Ihnen spontan am besten gefällt. Schließlich sollen Schuhe Ihnen doch täglich ... Freude machen. Und wenn die dann noch passen ... kaufen Sie sie.

Politisch korrekt war diese Antwort natürlich nicht. Wenn Fachleute anwesend waren, habe ich natürlich auch immer was von Laufband und Fußabdruck gemurmelt ...

Also noch einmal: Ihr Fuß ist keine Krankheit. Laufen ist etwas ganz Normales. Jedes Kind kann's in jedem beliebigen Paar Schlappen.

Vertrauen Sie einfach Ihrem Gefühl.

 
 
 

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