Lebensrettende Methylierung

13.08.2014
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Möchten Sie einmal ein klassisches Zitat hören? Na dann los: „Ganz genau. Und da wird’s dann schwierig“. Zitiert wird Achim Plum, einer der großen Genetiker Deutschlands. Wie es zu diesem Zitat kam?

Da sind Sie schuld. Sie zitieren ganz unschuldig Cordain, der „bedenkliche Dinge über Folsäure“ schreiben würde. Folsäure sei für die Methylierung zuständig. Und „durch eine Hypermethylierung der DNA können bestimmte Krebsarten ausgelöst werden“. Schreiben Sie mir. Ob ich etwas dazu sagen könne?

Heißt im Kern: Folsäure macht Krebs. Tja. Da denke ich an die US Regierung. Die seit Jahrzehnten per Gesetz künstliche, ausdrücklich künstliche Folsäure allem Mehl in der USA zumischen lässt. Möchten die die Bevölkerung ausrotten?

Folsäure methyliert. Und das sei schlecht. Das mache Krebs. So Ihre Anfrage. Also dann gucken wir doch mal: Methylierung heißt, eine Methylgruppe, die von Methionin stammt (erinnern Sie sich? Unser Aminogramm?), eine Methylgruppe also klebt sich an ein anders Molekül. So werden Gene an und abgeschaltet. Ein ganz wesentlicher Mechanismus. Zum Guten? Zum Bösen? Auf geht’s: Wenn ich etwas nicht weiß, schlage ich bei Gröber nach. Ein kluger Wissenschaftler. Dort finden wir den Satz 

„Der limitierende Schritt der DNA-Synthese, die Methylierung… ist obligat Folsäure abhängig“

DNA ist Ihr Leben. Und damit DNA entstehen kann, muss methyliert werden. Und dafür braucht es Folsäure. Stimmt: Folsäure ist ein Vitamin. Vitamine sind essentiell. Ohne dieses Vitamin sind Sie tot. Per Definitionem. Jetzt wissen Sie, weshalb Folsäure so wichtig ist.

Was hat das jetzt (Cordain?) mit Krebs zu tun? Weiter geht’s. Schlage ich nach bei Kegel. Chemiker und Biologe, Berlin. In seinem Buch „Epigenetik“ und finde dort

„Auffälligstes epigenetisches Kennzeichen einer typischen Krebszelle ist eine ausgeprägte genomweite Untermethylierung. Dieser Mangel an Methylgruppen wird immer ausgeprägter, je weiter der Krebsprozess fortschreitet“

Heißt: Zu wenig Methionin. Zu wenig Methylgruppen. Ein Untermethylierung. Das sei Krebs. Hatten wir nicht soeben von Cordain gehört: Eine Hypermethylierung würde Krebsarten auslösen? Also das Gegenteil?

Ja was denn nun? Typisch Wissenschaft? Jeder schwätzt nur? 

Tja. Es gibt halt auch noch andere Gene. Sogenannte Suppressor-Gene. Tumor-Suppressor-Gene wie zum Beispiel das p53. Also Gene, die aktiv Krebs unterdrücken. Was passiert, wenn Sie diese Unterdrückergene jetzt abschalten? Nun ja: Dann wächst Krebs. Klar.

Wenn Sie solche Suppressor-Gene übermethylieren, also abschalten, entsteht Krebs. Methylierung hat also zwei Gesichter.

Das war soeben die Erklärung. Und genauso fällt das Menschlein auf die Nase. Ich meine das kluge Menschlein. Die Pharmaindustrie.

Es gibt tatsächlich bereits zugelassene Krebsmedikamente, epigenetisch wirksam, die demethylieren. Die Methylgruppen wieder wegnehmen. Und wenn das an den Suppressorgenen passiert, dann muss die arme Krebszelle leider sterben. Sie wird „in die Apoptosis gesteuert“, in den programmierten Zelltod.

Jetzt die entscheidende Frage: „Aber diese Demethylierung (durch Medikamente) geschieht doch genomweit, oder?“ Also bei allen Genen. Nicht nur bei den Unterdrückergenen, sondern auch bei den echten Krebsgenen. Die würden dann doch plötzlich angeschaltet. Und damit Krebs initiiert, oder?

Auf diese Frage das lustige Zitat von Achim Plum: „Ganz genau. Und da wird’s dann schwierig.“

War das nicht ein lustiger Ausflug in die Genetik? In die menschliche Dummheit, sich mit überflüssigen Dingen zu beschäftigen? Zum Beispiel mit der Methylierung? Anstatt von vorne herein genetisch korrekt zu leben? Jeder unbefleckte Eskimo, jeder unbelesene Massai, jedes meiner nicht studierten Rehe ist weiter. In der Kunst des Lebens. Krebs ist überflüssig. Eine Frage des Lebensstils.

 
 
 

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