Leitlinien

07.11.2014
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Und zwar evidenzbasierte, sind langsam zur Basis der deutschen Medizin geworden. Der Universitätsmedizin. Wünschenswert. Jeder Arzt bekommt so genaue Richtlinien an die Hand, Gebrauchsanleitungen, wie er seine Therapie zu gestalten hat.

Bringt auch Rechtssicherheit. Bei möglichen juristischen Auseinandersetzungen. Die Leitlinien gelten. 

Ein paar habe ich ja schon genannt. Auch Sie haben sich gefragt: Weshalb sind diese evidenzbasierten Leitlinien eigentlich so grauenvoll falsch? So eindeutig unrichtig? Weshalb bekommt der Mensch mit hohem Blutdruck nicht als erstes gesagt: Nimm ab, lauf, sondern...nimm diese und jene Tablette?

Weshalb soll ein Diabetiker massiv Zucker in Form von Kohlenhydraten essen? Wenn er doch zuckerkrank ist? Was sind das für seltsame Leitlinien?

Nun, ganz einfach: Die basieren auf Studien. Das war`s auch schon. Seit wir den hübschen Ausdruck Schrottstudien kennen, ahnen wir...das Unheil.

Beispiele gefällig?

Nur im Juni 2014 zieht das Fachmagazin „Nature“ eine epochale Studie über Stammzellen wieder zurück. War gefälscht. Nur im Juni hat das „Journal of Vibration and Control“ gleich 60 seiner Beiträge zurückgezogen. Erfunden. Nur im Juni 2014 bestraft die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) einen Wissenschaftler, der Fälschung zugegeben hatte.

Es kommt noch schlimmer: Sogenannte klinische Studien sagen uns Ärzten da draußen auf dem Lande, wie wir neue Therapie anzuwenden haben. Und sogenannte Medikamentenstudien untersuchen die Wirkung neuer Medikamente. Also los:

  • Da berichtet A. Nowbar vom Imperial College in London Anfang 2014 über die Stammzelltherapie. Das allerneueste: Frische Zellen für kranke Organe. 49 klinische Großversuche waren bisher an Patienten durchgeführt worden, 133 mal war darüber berichtet worden. Jetzt kommt`s: Nur 5 Studien von den 49 erwiesen sich als fehlerfrei, und zwar ausgerechnet jene, die „keinen therapeutischen Effekt“ beschrieben hatten.
  • Oder nehmen wir Medikamentenstudien. Die werden in der Regel von der Pharmaindustrie finanziert. Und brachten prompt zu 89% positive Befunde. 

Öffentlich geförderte Medikamentenstudien konnten nur zu einem Drittel ein positives Ergebnis berichten. Differenz 56%. 

Ich bin mir ganz sicher: 56% gefälscht. Einfach die schlechten Ergebnisse unter den Tisch fallen lassen. Man kennt das Prinzip.

Kennen Sie von Tamiflu. Ein Grippemedikament der Firma Roche. Aus meinen Händen haben Sie das nie bekommen. Regierungen in aller Welt haben für mehr als 1 Milliarde Euro Tamiflu von Roche gekauft. Das würde den Grippeverlauf viel deutlicher abschwächen als Aspirin. Nun, inzwischen wissen wir: glatt gelogen. Die Industrie hatte die negativen Ergebnisse vieler Studien einfach verschwiegen. Tamiflu ist also ein Schwindel. Übrigens: irgendwelche Folgen für die Firma Roche? Ich habe nichts gehört.

Dabei geht das alles viel besser und leichter. Ich meine, das Produzieren von Schrottstudien. Politiker sind hier den Pharmafirmen weit überlegen. Beispiel Fracking. Grundsätzlicher Gegner das Deutsche Umwelt-Bundesamt. Die Leiterin, Frau Maria Krautzberger bei der Veröffentlichung einer großen Studie wörtlich:

„Fracking ist und bleibt eine Risikotechnologie“

Fragt man den Autor der Studie, Uwe Dannwolf, antwortet er: 

„In meiner Arbeit stehen solche Worte nicht. Ich würde mein Gutachten nicht so auslegen“.

Gekonnt. Kompliment an Frau Krautzberger. Beamtin.

Fazit: So also entstehen evidenzbasierte Leitlinien. Auf 49 klinischen Großversuchen (Stammzellen), von denen 44 fehlerhaft waren. Tja. Sie verstehen immer besser, weshalb ich mich zunehmend nur noch auf mich selbst verlasse. Selbst experimentiere. Sie frage. Ihre Briefe abdrucke. Scheint mit ein sehr viel ehrlicheres, anständigeres Verfahren zu sein, um sich auf dieser Welt zurecht zu finden.

Quelle: Die Zeit 24.07.2014, S. 31

Focus 37/2014, S. 74

 
 
 

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