Märchen und Mythen

18.05.2012
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gibt es nirgendwo so viele wie in der Ernährungsmedizin. Sie können sich noch so verrückte Behauptungen ausdenken...irgendjemand hat sie schon ausgesprochen. Und Sie werden immer irgendjemand finden, der Ihnen glaubt. Was auch immer Sie zum Thema Ernährung behaupten. Interessanterweise betreffen diese Märchen nur Menschen im Überfluss. Speckige, übergewichtige Menschen. Die eigentlich überhaupt kein Problem mit der Ernährung haben sollten ... In armen Ländern mit verhungernden Menschen kommt man gar nicht auf die Idee, dummes Zeug zum Thema Ernährung zu behaupten: Dort hat man andere Sorgen.

Lese ich soeben die Besprechung eines Vortrages von Prof. Froböse von der Sporthochschule Köln. Der sollte es eigentlich wissen.

Weiß auch viel: "Eiweiß kann nicht umfassend gespeichert werden. Deshalb sollte entsprechende Kost zu jeder Mahlzeit gehören und vor allem abends auf dem Speiseplan stehen. Denn nachts braucht der Organismus viel davon".

Goldene Worte. Eiweiß zu jeder Mahlzeit. Perfekt formuliert. Und besonders nachts. Weil es unsere Regeneration, das Wachstumshormon stimuliert. Doch dann: Es würden täglich 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ausreichen. Eine sinn-leere Behauptung. Ist bei jedem Menschen anders. Das wissen alle die, die einmal Eiweiß im Blut gemessen haben. Gemessen! Die meisten von Ihnen in Deutschland haben auffällig tiefe Werte. Dennoch glauben wir solche sinn-losen Angaben.

Aber weiter Froböse: "Nur wer kurzfristig enorm hohen Belastungen ausgesetzt ist (Marathonlauf, intensiver Muskelaufbau) kann maximal zwei bis vier Wochen lang die Eiweißzufuhr deutlich erhöhen". Deutlich erhöht heißt zwei bis drei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Einverstanden. Prof. Wolfe, wohl der Eiweißspezialist auf dieser Welt, hat gemessen und bewiesen, dass auch vier Gramm pro Kilogramm Körpergewicht unbedenklich sind. Eingebaut werden.

Aber jetzt kommt's: "Wer mehr Eiweiß isst, müsse mehr trainieren." Denn: "Ohne diesen Trainingsreiz könnten wir noch soviel Eiweiß zu uns nehmen - wachsen würden nur die Ringe am Bauch, denn auch zuviel Eiweiß landet in den Fettdepots" betont Froböse.

Das ist schlicht falsch. Ein Eiweißmolekül kann nicht in ein Fettmolekül verwandelt werden. Biochemischer Unfug. Weiß ein Professor das wirklich nicht?

Das Gegenteil ist wahr: Eiweiß zehrt. Stichwort spezifisch dynamische Wirkung. Offenbar in Vergessenheit geraten. Wer sich von immer mehr Eiweiß, schlussendlich nur von Eiweiß ernährt, verhungert buchstäblich. Schrumpft und verschwindet. Lebensentscheidendes Wissen für alle die deutschen Übergewichtigen. Und genau dieses Wissen wird mit solchen Sätzen verhindert.

Prompt ist die Überschrift dieses Zeitungsartikels auch: "Speckringe durch zuviel Eiweiß". Genau das bleibt hängen beim Journalisten: Das falsche. Die übrigen Wahrheiten sind schon vergessen.

Speckringe! Ein deutsches Thema. Eiweiß! Die unbekannte Hilfe.

 

 

 
 
 

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