Manfred Steffny

03.02.2011
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ist einer der ganz Großen. Marathonläufer, Marathontrainer, einer der wenigen Deutschen mit enzyklopädischem Laufwissen. Herausgeber einer Laufzeitschrift "Spiridon", die zur Muss-Lektüre jedes Läufers gehört.

Ich mag ihn deshalb, weil er Fragen beantwortet. Genau wie Peter Greif. Und weil man sich auf seine Antworten verlassen kann. Weshalb? Weil er einfach alles schon einmal selbst erlebt hat.

Pragmatisch nimmt er in Spiridon 12/10 Seite 19, Stellung zum Dauerbrenner Vorfußlauf. Vorsicht: Aus Sicht des Läufers, des Lauftrainers. Und da schreibt er sehr geschickt:

"So richtig und wichtig die Ausbildung eines jungen Talentes in Richtung Mittelfuß bzw. Vorfußlauf ist, so muss man für ältere Anfänger und durchschnittliche Läufer eine andere Brille aufsetzen. Meines Erachtens bringt ein Aufsetzten auf dem Mittelfuß bei längeren Laufstrecken keine Verbesserung, wenn man in einem Schnitt von über 4 min/km läuft und dabei ca. 70-75 kg und mehr wiegt. Dies gilt auch und besonders für Triathleten.

Trotzdem sollte jeder Läufer und jede Läuferin in der Lage sein, auch auf dem Mittelfuß, ja sogar gelegentlich auf den Zehenspitzen zu laufen".

Geschickt ist das Wörtchen "auch". Heißt praktisch nichts anderes, als dass er Läufer auffordert, sich doch einmal mit dem Vorfußlauf zu beschäftigen. Also eben nicht nur stur mit der Ferse auf zu donnern. Denn das können die Menschen von vorneherein. Mit der Ferse aufdonnern muss niemand lernen. Das wird uns beigebracht im 3., 4. Lebensjahr.

Indem man unsere Füße in Schuhe einsperrt. Mit dicken Absätzen. So zwingt man dem Menschen etwas völlig Unnatürliches auf: Das mit der Ferse aufdonnern. Also noch einmal: Das haben wir alle längst gelernt.

Und jetzt kommt Steffny sehr geschickt mit dem Wörtchen "auch". Übe doch auch mal das andere. Den Vorfußlauf.

Ich bin Arzt, kein Lauftrainer. Meine Sicht ist die der Medizin, der Physiologie. Und in Physiologiebüchern steht: Der Mensch ist Vorfußläufer. Ausschließlich. Etwas anderes kann er gar nicht.

Dass es ihm aberzogen wurde, dass ihm etwas Unnatürliches, in meinen Augen krankhaftes anerzogen wurde mit diesen künstlichen Betonblöcken an den Füßen, den Schuhen, ist ein völlig anderes Thema. Dass der Mensch sich aus der Natur entfernt hat, erleben wir ja auch bei der Ernährung. Nichts Neues.

Meine Aufgabe als Arzt - nicht als Lauftrainer - ist es, Ihnen das "zurück zur Natur" zuzurufen. Sie aufmerksam zu machen, dass es die Natur überhaupt gibt. Genau hier stehe ich immer wieder mit staunend offenem Mund: Dass man Menschen über Vorfußlauf überhaupt etwas erzählen muss. Über etwas völlig Natürliches.

Dass man Menschen vor leeren Kohlenhydrate überhaupt warnen muss. Alles so wunderliche Dinge.

 

 
 
 

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