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Marathon im 6.ten Monat

19.05.2020 | Strunz
 

Heute ein wichtiges Thema. Eine häufig gestellte Frage, nämlich: „Darf ich während der Schwangerschaft joggen, Sport treiben?“. Meine regelmäßige Antwort: „Wenn Sie diese Sportart gewohnt sind seit Jahren, dürfen Sie weiter machen. Freilich: Im 6.ten oder 8.ten Monat mit dem Joggen zu beginnen, ist vielleicht keine gute Idee….“.

Dann sprechen wir über Rad fahren, über das Ergometer zu Hause. Auch über das Schwimmen. Ganz einfach deshalb, weil eine vermehrte Sauerstoffdurchflutung des Körpers – durch Sport – dem Kind zugutekommt. Das verstehen Sie.

Die Frage verrät Unsicherheit. Man weiß, dass man jetzt für das Kind lebt und möchte nichts falsch machen. Alles richtig. Die Antwort entsteht in der Mutter selbst abhängig von ihrem Körperbewusstsein, von ihrem Körpergefühl.


Eine wesentliche Bemerkung. Ich teile meine Patienten in zwei Gruppen: Die mit und die ohne Körpergefühl.

Wer seinen Körper seit Jahren sportlich belastet hat, auch Schmerzen ertragen hat, weiß, was der alles kann und verträgt. Mit dem kann man auch einmal Experimente machen, beispielsweise eine Überdosis Zink für 2 Wochen.

Ohne Körperbewusstsein ist man da recht hilflos, weiß nicht, was man sich zutrauen darf. Man ist ängstlich.


So erklärt sich auch die mail von heute. In welcher eine junge Mutter sehr sorgfältig und bewusst beschreibt, wie sie – unabhängig von Ärzten – zu der Gewissheit kommt, auch im 6.ten Monat einen Marathon laufen zu dürfen. Ohne dem Kind zu schaden, im Gegenteil….! Aber solch ein Bewusstsein entwickelt sich eben langsam, in Stufen, über Jahre…. lesen Sie einfach mit:


„…ich bin 30 Jahre alt und laufe seit meinem 13. Lebensjahr. Dies war auch ungefähr die Zeit, als ich begann, Ihre Bücher zu lesen.

Das Laufen hat mir so viel gegeben, dass ich es nun schon insgesamt 17 Jahre beibehalten habe. Ihre Bücher haben dazu einen großen Teil eigetragen, denn ganz ehrlich: Man schafft kaum mehr als 5 Seiten zu lesen, bevor man so Lust bekommt und sich die Laufschuhe schnüren muss.

Mein persönliches Highlight durfte ich beim Berlin-Marathon erleben:
Diesen bin ich nämlich mit meinen Sohn im Bauch im 6.ten Monat gelaufen.

Im Vorfeld hab ich oft gedacht: „Was macht eine trächtige Löwin oder ein schwangeres Reh? Hören die dann auch das Jagen auf, wenn sie schwanger sind? Hören die das Laufen, das Springen und das Rennen auf?“

Meine instinktive Antwort lautete, nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass Säugetiere ihre Bewegung auf null reduzieren, nur weil sie schwanger sind.

Und mein Körper ist das (lange) Laufen ja gewohnt, also habe ich lediglich die Zeitvorgaben aus dem Trainingsplan gestrichen und bin nach Lust und Laune meine Trainingsstrecken gelaufen. Und es war wunderbar.

….ich wusste, es wird meinem Kind nicht schaden. Im Gegenteil: Beim Laufen habe ich immer gedacht, wie viel guten Sauerstoff ich zu meinem Kind atme.

…ich kann Ihnen also sagen: In meinem Fall haben die Ernährungsprinzipien und das Laufen sehr zu einer freudvollen und leichten Schwangerschaft beigetragen.

Ich habe mittlerweile einige Ihrer Bücher gelesen und sie auch schon oft weiter empfohlen. Ärzte wie Sie sind ein wahres Glück, und ich bin froh, dass ich schon als Jugendliche auf Sie aufmerksam geworden bin.

Ich hoffe, dass ich auch in Zukunft viel von Ihnen lesen kann….


Eindrucksvoll. Diese Sicherheit. Haben die Sie auch? Bezweifle ich. Das meinte ich oben mit „Körperbewusstsein“ oder mit „Körpergefühl“.

Und dann die immer richtige Frage: „Wie macht´s das Reh?“ Denn wissen Sie, Säugetiere sind wir alle. Den kleinen Unterschied zwischen Mensch und sämtlichen übrigen Säugetieren haben Sie ja längst verstanden: Die werden selten depressiv, bekommen kein künstliches Hüftgelenk, kennen keine aggressiven Krebszellen und wohl eher nicht Diabetes.

Und Ihre frommen Wünsche, mit denen Sie ja häufig Ihre Briefe beenden („auch in Zukunft noch viel von Ihnen lesen kann“) nehme ich als self fulfilling prophecy. Tatsächlich bilde ich mir ein, bei meinen täglichen morgendlichen Zwiegesprächen mit…. mit wem auch immer…. ein Lächeln herauszuspüren. Heißt: Sie werden mich schon noch einige Zeit ertragen müssen.

 
 

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