Marathon ist Medizin

03.11.2016
 

Kennen Sie Professor Froböse? Sporthochschule Köln. Unten sein Portrait aus dem Internet. Sehen Sie: Solch einem Arzt würde ich vertrauen. Spontan. Auch ohne Wissen um seine sportliche Vergangenheit. Der strahlt die überlegene Ruhe des zähen Ausdauersportlers aus. Muss um seinen eigenen Körper wissen und kann deshalb ganz anders, nämlich authentisch beraten.

Beraten zum wichtigsten Heilmittel der Medizin, der Bewegung.

Professor Froböse ist ein latenter Vorwurf an viele seiner Kollegen: Wie nämlich soll man seine übergewichtigen Patienten zum Laufen motivieren, wenn man es selbst nicht tut? Schwierig. Einverstanden. Zu dem Thema hatte ich einmal einen lächelnden Kommentar geschrieben. Das Lächeln freilich ist mir – damals – rasch vergangen. Erinnern Sie sich (27.06.2008)? Lassen Sie mich zitieren:

„Die Hauptsorge der deutschen Medizin ist das Übergewicht. Weshalb? Weil sich an das Übergewicht erhöhter Blutdruck mit Schlaganfall, Zuckerkrankheit mit Nierenversagen, überlastete Gelenke mit Arthrose, und ein vielfach erhöhtes Krebsrisiko hängt.

Hunderttausende Ärzte in Deutschland kämpfen deshalb gegen das Übergewicht ihrer Patienten. Erfolg? Laut Bundesgesundheitsministerium nimmt das Übergewicht in Deutschland dramatisch zu. Mit all den genannten Folgen. Könnte man depressiv werden. Zum Glück gibt es Sie, lieber Patient. Und Ihren Brief heute:

Mein Praxisbesuch bei Ihnen blieb nicht ohne Nebenwirkungen:
Körperfett minus 45 Prozent.
Bluthochdruck (Betablocker) völlig weg.
Das sind Frohwerte!

Weshalb, das frage ich Sie, schreiben eigentlich nicht alle 50 Millionen betroffenen Deutschen genau diese Briefe?

Die Antwort können Sie komprimiert und verkürzt so formulieren: eine Approbation als Arzt sollte nur bekommen, wer selbst Marathon läuft.

Habe ich einmal in einer Versammlung vor Hunderten Ärzten lächelnd verkündet. Sie können sich denken, dass mir das Lächeln sehr bald vergangen ist ...

Tja. Deutschland ist fetter Europameister.“

 
 

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