Mein Frühstück

18.12.2012
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Weil Sie mich das jeden Tag, wirklich jeden Tag fragen, verrat ich's Ihnen. Mein Frühstück. Sie ahnen ja, dass ich mir seit 30 Jahren täglich Ihr Frühstück anhören darf. Das klingt regelmäßig so:

"Ich weiß, dass ich zu dick bin, Herr Doktor. Das weiß ich. Bloß ich versteh nicht warum. Wissen Sie, ich esse fast gar nichts. Wirklich. Soll ich Ihnen mal verraten was ich esse? Also zum Frühstück... Und um 10.00 Uhr... Und zum Mittagessen bloß...“

Zum Glück habe ich die Fähigkeit abzuschalten. Meine Ohren auf Durchzug zu stellen. Sie selbstverständlich - Höflichkeit zu allererst - ausreden zu lassen. Zu lauern. Denn manchmal, manchmal machen Sie einen Fehler.

Manchmal fragen Sie im Anschluss an Ihre ausführlichen Schilderungen über alles das, was Sie nicht essen und zwar mit größtem Genuss nicht essen, fragen Sie mich nach meinem Frühstück.

Ich bin dann immer sichtlich schockiert. Jedenfalls tue ich so. "Frühstück? Wieso Frühstück?" Frage ich. Und dann bringe ich Sie still und unauffällig mit ein paar Sätzen in Trance. Bewegen wir uns gemeinsam zurück 10.000, 20.000 Jahre. Wachen morgens in einer dunklen Höhle auf. Frieren. Kratzen uns. Sie wissen schon... Läuse! Wir stinken da so leise vor uns hin, alle beide. Werfen uns das Bärenfell über und... haben Hunger. Wissen Sie, was wir dann getan haben?

Wir sind raus und hinter dem Mammut hergerannt. Nur... das wollte nicht. Merkwürdige Erfahrung. Das ist weggerannt. Und wir hinterher. Weil der Mensch aber erstaunlicherweise das ausdauerndste Langstreckentier dieses Globus ist, haben wir das Mammut immer erwischt. So nach drei bis vier Stunden. Und dann...

... dann, aber erst dann, haben wir reingebissen. Übrigens einfach so. Schmorkochtopf und hochkomplizierte Mikrowellengeräte mit Sonnenkollektor waren damals rar. Haben uns jedenfalls den Bauch vollgeschlagen.

In der Sprache der Wissenschaftler (Prof. Thomas Junker, Uni Göttingen): "Die typische Futternarkose (ein herrliches Wort) nach einer ausgiebigen Mahlzeit wäre für die Jagd nicht sehr förderlich gewesen... Das Geheimnis der Energiebalance liegt offenkundig darin, sich erst zu bewegen und dann zu essen - oder in den heutigen Alltag übersetzt: Erst joggen, dann genießen!"

So spricht Wissenschaft(!!!) heute.

Und Sie wagen es, mir Ihr Frühstück zu erzählen.

 
 
 

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