Messen heißt Wissen

02.01.2013
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Der doppelte Nobelpreisträger Prof. Pauling hatte schon in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts auf Grund quantenmechanischer Überlegungen (Anm.: Der war Wissenschaftler, kein einfacher Arzt) die Existenz des Superoxid-Radikals - eines hochreaktiven Reduktionsproduktes des molekularen Sauerstoffs - postuliert. Die entscheidende Arbeit dann stammt von Denham Harman (1956).

Mit der Monographie von Levine und Kidd (1985) "Antioxidant Adaptation" setzte eine stürmische Entwicklung ein und der "oxidative Stress" wurde zu einer Metapher für ein universelles pathogenetisches Prinzip, das als kausales Erklärungsmodell für eine Vielzahl von Erkrankungen bis hin zur Alterung herangezogen wurde.

Freilich: Nach Durchführung zahlreicher groß angelegter epidemiologischer Untersuchungen zeigte sich, dass die Redox-Regulationsmechanismen ein bisschen komplexer sind, als im Entwurf der meisten Studien berücksichtigt. So konnte es beispielsweise bei Einsatz höherer Dosierungen einzelner Antioxidantien (z. B. Vit C, Vit E, Beta-Carotin) zu Ergebnissen kommen, die dann als paradox interpretiert werden mussten, da völlig inadäquate und irrelevante Studiendesigns vorlagen.

So war beispielsweise nach derartigen Studien Vitamin C plötzlich gentoxisch. Zur Erinnerung: Vit C wird im zweistelligen Grammbereich von jedem Lebewesen (außer Mensch und Affe) selbst produziert. Der Affe behilft sich mit 10 Gramm Vit C täglich in Blättern und Obst. Auch für den Menschen ist Vit C essentiell, also lebensnotwendig (Jedes Lehrbuch der Biochemie weiß das.). Und dann... gentoxisch!! Aus diesen Gründen sind die Ergebnisse vieler teilweise sehr teurer Studien und ganz besonders die Ergebnisse der daraus abgeleiteten Metaanalysen (z.B. Cochrane) als wertlos, ja irreführend einzustufen.

In den Medien ist diese unbefriedigende und teilweise kontroverse Situation begierig aufgegriffen worden, hat zu einer Polarisierung der Expertenmeinungen von glühenden Anhängern bis zu fanatischen Gegnern geführt und Schlagzeilen wie "Die Vitaminlüge" (Spiegel 2012) produziert. Als Resultat ist eine Verunsicherung der Bevölkerung zu konstatieren und ein Verlust an Glaubwürdigkeit der Experten, wie man die sonst nur von der Politik kennt.

Dass es auch anders geht, zeigt die Messung. So eine im Rahmen der britischen "National Diet and Nutrition Survey" durchgeführte Studie, veröffentlicht im Brit J Nutr 105, 123-132 (2011). Hier wurde bei 1054 Studienteilnehmer (76,6 Jahre alt) im Blut gemessen. Also eine objektive Studie, die über 14 Jahre lief.

Gemessen! Sowohl die Plasmaspiegel als auch die Aufnahmemenge Redox-modulierender Substanzen (heißt bei uns Antioxidantien) erwiesen sich als signifikante Voraussageparameter des Todesrisikos und zwar unabhängig von den freilich völlig unterschiedlichen Todesursachen.

Was ist neu? Hier wurde gemessen. Hier wurde nicht "angenommen", dass der Proband Vitamin E auch wirklich geschluckt hat, hier wurde nicht blind dosiert (nehmen Sie doch mal 200 I. E. Vit E). Hier wurde das im Blut gemessen, worauf es ankommt: Der Plasmaspiegel an Redox-modulierenden Substanzen, also beispielsweise von Vitaminen, aber auch von Selen und Zink.

Und dann ergibt sich auch eine eindeutige Aussage: Je mehr Sie davon haben, desto länger leben Sie.

Dass diese Studie im Spiegel niemals abgedruckt wird, ist sicher.
Quelle: Prof. Dr. Dr. Schmidt

 

 

 
 
 

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