Mit 80 in den Sudan

05.04.2014
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Herzerfreuende Highlights meiner Praxis kommen häufig aus der Schweiz. Da lebt eben doch ein besonderer Volksstamm. Gerade um Lausanne herum scheint es ein richtiges Nest zu geben...

Die Klagen, die Beschwerden sind selbstverständlich vertraut: Ständiger Heißhunger, viel zu dick, nicht mehr belastbar, Schnaufen beim Treppensteigen, seit 30 Jahren Tinnitus (falsche Einstellung zum Stress), Gelenkschmerzen und besonders schlimm: Bei jedem Schritt brennende Fußsohlen. Wie Feuer. Kann man da helfen?

Selbstverständlich. Angewandte molekulare Medizin. Man sucht die Gründe für all diese Molesten bis hin zum Heißhunger (das entscheidende Sättigungshormon heißt, wie Sie wissen, Serotonin). Man analysiert, setzt sich nachts hin zur Freude der Ehefrau, diktiert stundenlang und... wartet.

Manchmal sieht man sich wieder. Hüpft, tänzelt, strahlt doch da ein junges Mädchen durch die Tür, betont, dass „alles weg“ sei, also die Fußsohlen nicht mehr brennen, der Heißhunger verschwunden sei, ihre Depression (Ei der Daus) hätte sich in Luft aufgelöst, sie hätte das Gefühl „ganz leicht“ zu sein. Hat natürlich auch 15 Kilogramm verloren.

Fall gelöst, könnte man sagen. Wenn da nicht der kleine Nachschlag wäre: Jetzt, meinte sie, jetzt könne der Sudan kommen. Sie würde nämlich dorthin fahren. Frage ich erstaunt nach, präzisiert sie: Natürlich der Nordsudan. Natürlich, murmele ich, Nordsudan. Und warum?

Ja, da gäbe es eine interessante Ausgrabung. Und sie sei schon immer archäologisch interessiert. "Jetzt könne die Welt kommen".

Ein herrlicher Schlusssatz. Die Dame, übrigens, wird gerade 80 Jahre.

 
 
 

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