Muskeln als Sparkasse

20.08.2017
 

Ein völlig neuer Blickwinkel. Unser Dogma, dass es keinen Eiweißspeicher gäbe, ist sicherlich nicht ganz richtig. Wird widerlegt wohl durch jeden Bodybuilder.

Muskulatur interessiert mich, seit Uhlenbruck (inzwischen 88) uns die Bedeutung zu mindestens im Alter so kräftig um die Ohren gehauen hat (News vom 10.01.2014). Mit exakter wissenschaftlicher Begründung. Also quäl ich mich.

Sie überlesen mir dieses Wort „quälen“ zu häufig. Sie, die mir mit großen Augen im Sprechzimmer gegenüber sitzen. Und von einer „Körperumformung“ träumen. Diese Umformung betrifft nicht nur Ihr Herzkreislaufsystem (täglich joggen) betrifft nicht nur Ihre Fettpolster (no carb), sondern ganz sicher auch das, was Sie eigentlich wünschen: Straffe Muskeln.

Und dafür muss man sich quälen. Hat mir schon meine Personal-Trainerin Holle vor Jahrzehnten beigebracht. Qualvoll beigebracht. Mit dem Satz: Gewichtstraining bis zum Anschlag. Bis du wirklich nicht mehr kannst. Und dann…  die nächste Wiederholung ist die wirklich Zählende. Nur die bringt Muskelzuwachs.

Das Prinzip dahinter heißt „momentanes Muskelversagen“ (News vom 20.05.2016). Hat mir sehr eingeleuchtet.

Schickt mir ein Arzt aus Berlin (Charité) eine kurze Bemerkung über die Muskulatur, die mich elektrisiert. Sie vielleicht auch. Das Zitat stammt von 1905 (Professor Brugsch, Internist an der Charité).

Von 1905 also:

      ….wenn er seinen Muskeln fest aufgebaut habe, wobei er gar nicht Fett ansetzen wolle, könne er „getrost“ hungern. Diese Beobachtung stimmt insofern mit den klinischen Erfahrungen überein, als alle diejenigen Kranken bei länger dauerndem Hunger

gefährdet sind

      , die eine

schlechte Muskulatur haben.

      Fett ist die

schlechteste Sparkasse

    für den Menschen. Man sollte sich bis in das Alter hinein seine Muskulatur erhalten, denn so wie die Körpermuskeln sind, so ist auch das Herz.

Bei Hungern denke ich automatisch an Krebskranke. Denen nichts mehr schmeckt, die nicht mehr essen wollen. Die intravenös ernährt werden…. niemals völlig richtig.

Hier gäbe es also Unterschiede:

      • der Krebs-Patient, der vorher Muskeln aufgebaut hatte
      • der andere Krebs-Patient, der dies nicht getan hat

Der zweite sei „gefährdet“. Wir können uns das Wort selbst ausmalen.

Viel wichtiger natürlich, wenn wir Longo ernst nehmen (News vom 24.07.2017, 24.07.2017, 24.07.2017). Hungern sei für Krebskranke außerordentlich wünschenswert, weil es

      • die Wirkung der Chemotherapie verstärkt (um es höflich zu sagen)
      • Krebs verschwinden lässt auch ohne Chemotherapie

Eine etwas dämliche Entdeckung. Selbstverständlich verschwindet der Krebs, wenn der Mensch verhungert ist. Deswegen ist das Wort „Hungern“ hier falsch.

Inzwischen sind wir etwas gescheiter: Es geht um den „Hungerzustand“, in anderen Worten Ketose. Da schlägt man sich den Bauch voll, ist vergnügt, hat aber alle Vorteile des Hungerns.

Nur: Das vertragen viele Leute schlecht. Ich meine wirklich schlecht. Denen geht es schlecht. Wie soeben ein Bundestagsabgeordneter, der sich in der Ketose für den Wahlkampf fit machen wollte. Hat der gar nicht vertragen. Wissen Sie weshalb?

Oben steht’s. Hätten Sie Muskeln aufgebaut, würden Sie Ketose mit links vertragen. Haben Sie das nicht, dann leiden Sie eben.

Professor Uhlenbruck (88) hat eben doch Recht. Also?

 
 

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