Muskelschwund II

11.01.2014
Drucken
 

beginnt mit 25 Jahren. Und ist von all den unerfreulichen Vorgängen, die nach dem 25. Lebensjahr auftreten und sogar zunehmen, die unerfreulichste. Hätten Sie's gewusst? Das jedenfalls lernt man auf dem Internistenkongress in Wiesbaden 2013.

Denn alt oder noch älter werden ist ja ganz schön. Wichtiger ist "die Autonomie im Alter", also ein gescheites Wort für "ich möchte mir die Schuhbändel noch selbst zubinden können". Mich selbst ständig bewegen können. Ohne Stock, Krücken oder Rollator.

Und dafür sei die Erhaltung der Muskelmasse der entscheidende Punkt. Heißt übersetzt für uns: Fitnessstudio unumgänglich. Und wer's nicht mag: Tägliches Krafttraining im Schlafzimmer unbedingt notwendig. Dazu ein paar Tatsachen:

  1. Vergleicht man die Muskelmasse eines 25 jährigen mit der eines 80 jährigen, so ist ein Verlust von mindestens 40 % zu erwarten. So Dr. Bauer, Oldenburg. Lassen Sie mich das mindestens unterstreichen. Es ist tatsächlich mehr. Da ist fast nichts mehr.
  2. Der Muskelschwund geht nicht mit einer Ab-, sondern mit einer Zunahme des Gewichtes einher, da "die Fettmasse mit dem Alter nicht ab, sondern zunimmt". Wird hier konstatiert. Ist so. Muss so nicht sein, wie Sie wissen. Könnte ich mit einem Foto von mir beweisen.
  3. Ein dreitägiger Krankenhausaufenthalt ergibt Abnahme der Muskelmasse um 10 %. Nach sieben Tagen Klinikaufenthalt lässt sich der Kräfteverlust noch nach einem Jahr nachweisen. Davon kann ich nach acht Wochen auf dem Rücken ein gar trauriges Liedchen singen. Momentan.

Was kann oder soll man tun? Tatsächlich wird nicht zuerst vom Fitnessstudio gesprochen, hier beim Internistenkongress in Wiesbaden, sondern überraschenderweise über die Ernährung und über NEM. Ein völlig neues Denken hat Einzug gehalten. Lächelnd darf ich zitieren:

  1. Vorrangig sei eine ausreichende Proteinzufuhr. Laut Dr. Bauer würde heute nicht mehr 0,8, sondern 1,0 g pro kg/KG Eiweiß pro Tag empfohlen. Oh mei. Der rät bloß. Typisch Schulmedizin. Wir messen. Das Aminogramm. Wir wissen's besser.
  2. Im Hinblick auf die Muskelmasse sei Milcheiweiß sehr viel günstiger als tierisches Eiweiß. Mir neu. Kennt jemand von Ihnen die Erklärung? Freut mich natürlich: Mein tägliches hochreines Proteinpulver enthält Milcheiweiß.
  3. Zusätzlich soll bei Patienten mit wenig Muskulatur der - man höre und staune - Vit D Spiegel bestimmt werden und bei Werten unter 100 nanomol/l (man höre und staune) Tabletten gegeben werden. Supplementiert werden. Hier werden NEM ausdrücklich empfohlen.
  4. Und jetzt kommt's: Ob weitere NEM, Hormone oder Pharmaka helfen, dem Muskelschwund entgegenzuwirken, wird derzeitig untersucht.

Da grinst jeder Bodybuilder. Es wird also erst untersucht, ob Hormone Muskel aufbauen. O sancta simplicitas. Als praktischer Landarzt (der ich sechs Monate war) bin ich abends über die Bauernhöfe gepilgert und habe regelmäßig Deca Durabolin gespritzt. Zum Aufbau. Bei chronisch Kranken, Bettlägerigen. Wissen Sie was das ist? Nandrolon. Kann Dieter Baumann ein Liedchen davon singen. Das ist Alltagspraxis. Längst bekannt. Zusätzlich freilich, so Dr. Bauer, soll die Muskelkraft durch Bewegungstraining optimiert werden. Es würde durch Ausdauertraining Fettabbau und mittels Krafttraining der Muskelaufbau gefördert.

Goldene Worte. Gilt nämlich auch für Sie, lieber Leser.

 
 
 

News Schlagwörter