Nachtlauf-Gedanken

18.09.2007
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Unsterblich ... unendlich. Manchmal, für den Bruchteil einer Sekunde, ahnen wir, begreifen wir rein gefühlsmäßig was das ist. Dann etwa, wenn wir lange genug den sternenklaren Himmel betrachten und begreifen, dass da oben Millionen, Milliarden andere Milchstraßen auf uns warten ...

Wenn Sie auch, so wie ich süchtig sind nach diesem Gefühl, nach diesem Begreifen von Unendlichkeit, dann ... lesen Sie einfach weiter:

Natürlich wieder Einstein. Einstein, der uns als Erster anschaulich gezeigt hat, dass die Zeit abhängt von der Geschwindigkeit. Dass die Zeit langsamer läuft bei höherer Geschwindigkeit. Wissen Sie alle. Wenn Sie mit einer Rakete fast mit Lichtgeschwindigkeit im All herumflitzen und nach 10 Erdenjahren zurückkehren, sind Sie in der Rakete vielleicht nur einen Monat älter geworden. Die Geschichten kennen Sie.

War ja entscheidend wichtig für das GPS-System. Weil die Meß-Satelliten da oben ja doch schon eine ganz schöne Geschwindigkeit drauf haben und dort oben die Uhren tatsächlich etwas langsamer laufen. Das musste korrigiert werden.

Jetzt kommt's: wenn die Zeit also immer langsamer verläuft, je näher Sie an die Lichtgeschwindigkeit herankommen ... was ist denn dann bei Lichtgeschwindigkeit? Was sagt denn dann ein Lichtteilchen, ein Photon? Das präzise mit Lichtgeschwindigkeit durch das Weltall strahlt?

Ja - das weiß nichts von Zeit. Da vergeht überhaupt keine Zeit. Das Lichtteilchen ist alterslos. Wissen Sie was das heißt?

Da sehen wir doch mit dem Hubble-Teleskop, weit, weit in die Vergangenheit, bis zum Urknall. 14 Milliarden Lichtjahre zurück. Da sehen wir also kleine Lichtpünktchen, von denen die Lichtstrahlung schon vor 14 Milliarden Jahren ausgegangen ist. Nur ... die Lichtteilchen wissen das gar nicht. Für die ist zwischen vor 14 Milliarden Jahren und heute nicht eine Sekunde vergangen. Die sind zeitlos.

Für alle Lichtstrahlen, für alle Lichtteilchen im Weltall ist seit dem Urknall nicht eine Sekunde vergangen. Die sind gerade beim Urknall. Und genau so gleichzeitig heute. Wie denkt, wie fühlt so ein Lichtteilchen? Tja - es ist einfach da.

So stell ich mir das ganze Weltall als unendlich feines Gerüst aus Lichtstrahlen vor. Die unvergänglich sind. Kein Altern kennen. Ständig da sind.

Und sollte unsere Seele nicht etwas ähnliches sein? Reine Energie so wie das Licht? Strahlen, leben, wirken können ohne jede Zeit. Einfach nur da sein? Unsterblich ...

Spätestens dann können Sie fragen, ob es wirklich so viele einzelne Seelen gibt. So viele Seelen wie Menschen und Tiere. Oder ob das nicht doch vielleicht nur eine einzige große Seele ist. Wie die indischen Religionen immer behauptet haben.

Und ob Sie dann dieses eine filigrane Lichtgerüst des Weltalls, diese allumfassende Energie, diese eine Seele Gott nennen ... bleibt Ihnen überlassen.

Wussten übrigens schon die christlichen Mystiker. "Deus factus sum" war ihre zentrale Erkenntnis. Ich und Gott sind eins.