Nietzsche hat’s erfahren…

09.08.2014
Drucken
 

Nicht gewusst. Sein Hirn war in jungen Jahren dem Herrn Schopenhauer verfallen. Hauptthema Entsagung, Verneinung, Resignation – und bloß nicht nach Erfüllung, nach Freude streben: das würde immer nur mehr Sorgen und Probleme hervorrufen und zu einem schrecklichen Leben führen.

Schopenhauer. Hab‘ ich nie gemocht.

Aber Nietzsche. In einem Brief an seine Mutter: "Man weiß, dass das Leben elend ist, dass wir die Sklaven des Lebens sind, je mehr wir genießen wollen, man entäußert sich der Güte des Lebens, man übt sich in Enthaltsamkeit." Depressive Lebenseinstellung. Die nächsten 10 Jahre.

Und dann ist es passiert.

So wie ich mit 37 Jahren erstmals, gerät auch Nietzsche aus Versehen nach…Italien. In die Bucht von Neapel. Und vergaß Schopenhauer. Warf ihn buchstäblich weg. Weshalb?

"Schwimmen im Mittelmeer, der Verzehr von Speisen, die mit Olivenöl zubereitet waren statt mit Butter, die Luft…der Umgang mit Menschen…die wissbegierig, sexuell potent, lebenshungrig waren…und sich angezogen fühlten von FLÜCHTIGER FLEISCH-, EIER- UND FRÜCHTENAHRUNG…".

Nennt man Epigenetik. Zwingend: der Lebensstil ändert die Gene, damit das Leben. Auch das Denken. Und wie herrlich klar die Gebrauchsanleitung: keine jahrelange psychotherapeutische Berieselung, keine guten Ratschläge, sondern einfach…leben. Tun. Nietzsche gerät aus Versehen nach Italien und…was bleibt ihm übrig? Die Epigenetik übermannt ihn. Ob er nun will oder nicht.

Plötzlich wird er fröhlich, lebenslustig, lebenshungrig, sprich: er wacht auf.

Daher ist der einfachste Rat, den sie einem traurigen Menschen, einem unglücklichen Menschen geben können, der Rat: "Lauf los!". Epigenetik.

All diese wunderschönen Gedanken und Zitate verdanke ich einer Zahnärztin. Die es selbst gefunden hat bei Alain Botton "Trost der Philosophie". Hab ich mir sofort gekauft. Unglaublich.

Danke! Frau Kollegin. 

 
 
 

News Schlagwörter