Nobel-Stolz

17.09.2017
 

Sonntags wird gestöbert. Fällt mir in einer braunen Korrespondenz-Mappe wieder einmal ein in meinen Augen

 

ganz außergewöhnlicher

 

Brief in die Hände. Den möchte ich Ihnen weiter geben in der Hoffnung, Sie ein paar Minuten spannend zu unterhalten, vielleicht sogar zu amüsieren. Wie immer, sind die Anmerkungen der eigentliche Genuss. Dann mal los`:

 

Bundesverband der Luftfahrtzubehör-

und Raketenindustrie E.V. (BLR)

 

Luftfahrtzubehör · Buscherweg 28 · 2102 Hamburg 93                  Buscherweg 28

                                                                                                                             2102 Hamburg 93

                                                                                                                             Telefon 040/7 54 26 77

Direktion

des Deutschen Museums

Museumsinsel

 

8000 München

 

                                                                                                                             Hamburg, den 18.02.1981

 

 

Betr.: Nachträgliche Nobelpreisverleihung an

             Dipl.-Ing. Rudolf Pawlikowski

 

 

Sehr geehrte Herren,

 

einer der früheren Mitarbeiter des Gründers des Deutschen Museums O.v. Miller war der berühmte Motorenkonstrukteuer Dipl.-Ing. Rudolf Pawlikowski, dessen Kohlenstaubmotor wir jetzt im Zeichen der Ölkrise nachbauen.

Herr Pawlikowski hat unter größten Entbehrungen und politischen Schwierigkeiten großartiges für den Weltfortschritt geleistet, konnte jedoch auf Grund eines Verbotes der damaligen Reichsregierung, Nobelpreise entgegenzunehmen, den für ihn vorgesehenen Nobelpreis leider nicht entgegennehmen.

Da selbst aus heutiger Sicht der Wissenschaft noch von einem Anrecht auf die nachträgliche Verleihung gesprochen werden kann, werden wir alles in unserer Macht stehende unternehmen, um dieses zu erreichen und würden uns über Ihre Mithilfe besonders freuen.

Da sich die großartigen Arbeiten des Herrn Pawlikowsi am besten an Hand eines der originalen RUPA-Kohlenstaubmotore beweisen lassen und zugleich als geeignete Kulisse der Nobelpreisverleihung dienen könnte, möchten wir anfragen...

 

                                                                                                              Mit freundlichen Grüßen

 

                                                                                                              Bundesverband der Luftfahrtzubehör-

                                                                                                              und Raketenindustrie e.V.

Anlage

 

 

 

  • Dipl.-Ing. Rudolf Pawlikowski war mein Großvater
  • Die entscheidende Passage lautet „… den für ihn vorgesehenen Nobelpreis…“. Soweit ich höre, hat Hitler deutschen Wissenschaftlern ab 1939 verboten, Nobelpreise zu akzeptieren.
  • Mein Großvater ist der Erfinder des Dieselmotors. Jedenfalls hatte er als Leiter von Diesels Büro in München die entscheidenden Ideen.
  • Die zwei entsprechenden Patente 109 186 und 118 875 hat aber – neben vielen anderen – der Chef des Büros, Diesel für sich persönlich beansprucht.
  • Mein Großvater zog vor Gericht und verlor. Bei Patentansprüchen entscheide der Direktor und nicht sein Oberingenieur.
  • Daraufhin machte mein Großvater sich selbstständig, erbaute die Maschinenfabrik „Kosmos“ in Görlitz und erfand den Kohlenstaubmotor. Dieser wurde – als Schiffsdiesel ausgelegt – betrieben mit Kohlenstaub (Abfall) oder mit organischen Stäuben (gemahlene Getreidespelzen, Abfall) und ratterte in den Hallen monatelang brav vor sich hin.

Ein Foto zeigt Herrn Hitler in markigem Händedruck mit meinem Großvater.

  • Mir hat das Ganze die ungewöhnlichen IQ´s meiner beiden Kinder erklärt, von denen ich im Vorjahre erfuhr. Offenbar überspringt die Natur immer zwei Generationen. Again what learned (Lodda).