Nobelpreis Medizin 1931: LAUFEN!

18.02.2020 | Strunz
 

Na, na, na: Einen Nobelpreis für die Entdeckung des…. LAUFENS? Kann so wohl nicht stimmen. Tja. Wollen wir doch mal sehen:

Den Nobelpreis Medizin 1931 bekam der Max-Planck-Forscher Professor Otto Warburg. Biochemiker und Mediziner. Der, wie er glaubte, die eigentliche Ursache von Krebs entdeckt hatte.
Der beweisen konnte, dass sich Krebszellen anders ernähren. Also anders als gesunde Zellen. So überaus wichtig deshalb, weil wir hier endlich einen Angriffspunkt aufzeigen, an dem man die Krebszelle vernichten könnte. Denn


Chemotherapie, Bestrahlung vernichtet neben der Krebszelle (gewollt) selbstverständlich auch die gesunde Zelle (das Immunsystem). Ungewollt.
Dass das in der Regel schief gehen muss, weiß man von vorneherein.


Warburg konnte zeigen, dass die Krebszelle in erster Linie von Zucker lebt, und den – obwohl genügend Sauerstoff vorhanden – ohne Sauerstoff vergärt. Mit ziemlich armseliger Energieausbeute. Die Krebszelle muss sich also ständig sehr, sehr anstrengen.


Und wenn man jetzt der schuftenden Zelle auch noch den Zucker knapp macht, dann schwächt man sie. Empfindlich. Tötet sie oft genug sogar.


Wohl verstanden: Das gilt nicht für jede Krebszelle (Haupteinwand der Kritiker). Das gilt für die aggressive Krebszelle. Für die rasch wachsende, für die metastasierende Krebszelle. Dass es auch andere, langsam wachsende (Prostata, oft Brust) also beinahe gutartige Krebse gibt… unbestreitbar. Die leben auch von Fett. Unterscheiden sich nicht von der gesunden Körperzelle. Haupteinwand erledigt.

Jetzt kommt’s: An der Universität Graz konnte Professor Madeo kürzlich zeigen, dass


die Reduzierung der Zellatmung (also Atemnot) den programmierten, natürlichen Zelltod, die sogenannte Apoptose, vermindert und deshalb Zellen unkontrolliert leben lässt.
Unkontrolliertes Überleben heißt rasches Wachstum, heißt Krebs. Prof. Madeo:

„Diese erhöhte Resistenz (gegen den Zelltod) könnte entscheidend zur Tumorbildung und Bösartigkeit (Metastasierung) beitragen.“


Mit diesem Modell sei den Grazer Forschern der Beweis eines Überlebensvorteils von Zellen durch den sogenannten Warburg-Effekt gelungen. Also


  • aggressive Krebszellen ernähren sich von Zucker (Glykolyse)
  • bei gleichzeitiger Verminderung der Sauerstoff-Atmung.

Erhöhte Atmungsaktivität, also mehr Sauerstoffzufuhr HEMMT das Wachstum von Tumoren. So Madeo. Und weiter spricht der schlanke (!) Universitätsprofessor:


„Interessanterweise ist Ausdauersport eine der besten vorbeugenden Maßnahmen gegen Krebs. Dabei wird sowohl die Sauerstoffversorgung des Körpers erhöht, als auch Zucker verbraucht. Beides, klassisch nach der Warburg-Hypothese, Gift für die Krebszelle.“

Endlich einmal praktische Umsetzung von Nobelpreis-Wissen. Krebs? Nix da: Laufen Sie! Sie laufen um Ihr Leben. Das ist keine Plattitüde, sondern exakte Wissenschaft. Geadelt mit einem Nobelpreis schon 1931.

Und Sie laufen immer noch nicht? Sie wissen´s besser? Sie sind klüger als ein Nobelpreisträger?

Quelle: PLoS ONE http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0004592

 
 

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