Ohne Gentechnik

17.08.2010
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ist der Text eines rautenförmigen Aufklebers auf erfreulich vielen Nahrungsmitteln. In Deutschland. Seit 2008.

Eingeführt, um uns in Deutschland vor EU-Recht zu schützen. Laut EU können Kühe, Schweine oder Hühner ohne weiteres mit "transgenen" Pflanzen gefüttert werden. Erzeugte Milch, Fleisch oder Eier müssen trotzdem nicht gekennzeichnet werden.

Wir sind geschützt. Durch den Aufkleber "ohne Gentechnik". Geschützt solange, bis Sie sich einmal informieren. Musste man übrigens früher nicht. Früher galt Anstand. Normaler, natürlicher Anstand unter uns Menschen. Wenn jemand sagte: "Keine Gentechnik", dann konnten Sie sich darauf verlassen.

Ist heute anders.

Selbstverständlich dürfen auch in Deutschland die Tiere mit genmanipuliertem Futter gemästet werden. Und dann das Siegel "ohne Gentechnik" tragen. Die Tiere müssen nur vor der Schlachtung eine kurze Zeit mit dem Futter ausgesetzt haben. Das ist alles.

Rinder 12 Monate, Schafe und Ziegen 6 Monate, Schweine 4 Monate, Geflügel 6 Wochen Pause. Und Kühe müssen 3 Monate Gen-Futterpause gemacht haben. Dann darf die Milch als genfrei bezeichnet werden.

Jetzt kommt's: Aber auch während dieser Abstinenzfrist darf selbstverständlich gentechnisch verändert gefüttert werden, wenn die Verunreinigung unter 0,9% liegt. Und Geschmacksverstärker oder Vitamine dürfen sowieso aus gentechnischer Produktion stammen. Oh!

0,9% klingt wenig. Ich hab mal in Weihenstephan angerufen. Eine deutsche Kuh frisst täglich bis zu 80 Kilogramm Futterpflanzen. 0,9% sind dann so 700 g täglich. Gentechnisch verändert. Macht nix, sagt die Bundesregierung.

Fazit: Wo "ohne Gentechnik" draufsteht, kann also durchaus Gentechnik drinstecken (Zitat DIE ZEIT 31, S. 29).

 
 
 

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