Opioide

09.01.2018
 

Wir hören soeben, dass Amerika neben dem bekannten, fast unheimlichen Drogenproblem noch von einer zweiten, offenbar noch stärker verbreiteten Suchtdroge abhängt.

Von den Schmerzmitteln.

Die werden nicht an der Südgrenze ins Land geschmuggelt. Da braucht man keinen drei-fach Zaun, der ja von bisher jedem Präsidenten weiter ausgebaut und verstärkt wurde. Der Zaun an der Grenze zu Mexiko. Nein… Schmerzmittel gibt es auch in den USA in jeder Apotheke. Auf Rezept.

Bei starken Schmerzen, nach Unfällen, Operationen, auch Ischias-schmerz sind für amerikanische Ärzte OPIOIDE unverzichtbar und viel genutzt. Weil sie Vorteile bieten:

  • Starke Schmerzlinderung.
  • Geringe Nebenwirkungen auf den Kreislauf.

Millionen und Abermillionen amerikanischer Bürger seien, so hören wir den Präsidenten, von diesen Mitteln abhängig geworden, seien süchtig. Weshalb? Weil Opioide einen euphorisierenden Effekt haben, also die Stimmung heben, fröhlich machen, übrigens auch den Antrieb steigern, leistungsfähiger machen. Verständlich: Wer wegen Schmerzen Opioide bekommen hat, und neben der Schmerzlinderung die wundervollen Nebenwirkungen wie gute Laune, bessere Stimmung verspürt hat, der… bleibt dabei.

So ist der Mensch.

Wir Ärzte also haben in bester Absicht ein offenbar Nation-umfassendes ganz anderes Drogenproblem angestoßen. Dem in diesen Wochen der Kampf angesagt wurde. Denn natürlich werden diese Schmerztabletten, also Opioide inzwischen auch geschmuggelt und ohne Rezept unter der Hand weiterverkauft.

Hierzu passt eine kurze Notiz vor wenigen Jahren: Die palästinensische Jugend im Gazastreifen hätte einen massiven Verbrauch an solchen Opioiden. Wohl nicht wegen irgendwelcher Schmerzen, sondern wegen der euphorisierenden Wirkung. Hatte ich damals zur Kenntnis genommen. Bekommt jetzt einen neuen Kontext.

ABER!

Was wohl kaum einer dieser inzwischen Opioid-abhängigen Amerikaner weiß, was die eigentliche Suchtwirkung erst erklärt:

Opioide unterdrücken massiv

die Testosteron-Produktion.

Auf zwei Wegen. Sie unterdrücken die LH-Produktion in der Hirnanhangsdrüse (LH heißt luteinisierendes Hormon) und blocken auch direkt die Testosteron-Produktion.

Was ein tiefer Testosteron-Spiegel heißt, wissen Sie oder ahnen Sie: ständige Müdigkeit, Lustlosigkeit, Depression, Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, ED. In der Folge kommt es bei Männern sogar zur Osteoporose, Blutarmut und Rückgang der Muskulatur. Bei Frauen stimmt der Zyklus nicht mehr, auch sie haben "einfach keine Lust mehr". Peinlich wird diese weitgehend unbekannte Tatsache bei echten Schmerzpatienten. Bei chronischem Schmerz. Irgendwie muss man diesen Menschen ja helfen. Diclo und Ibu sind fast immer unzureichend. Also greift man zu den nebenwirkungsarmen Opioiden. Nebenwirkungsarm gilt aber eben nur für kurze Zeit. So waren die ursprünglich gedacht.

Nicht für jahrelange Einnahme. Dann passiert eben… siehe oben.

Was tun die Millionen abhängigen Amerikaner dann? Sie erhöhen die Dosis. Ganz logisch. Um das schlimme Gefühl des Testosteronmangels irgendwie auszugleichen. Sie werden abhängig.

Genau das scheint der amerikanischen Regierung soeben bewusst zu werden. Und in Deutschland?