Paleo – Ernährung

01.08.2016
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Sei „ein Trend ohne wissenschaftliches Fundament“. So wird soeben eine recht fundierte Arbeit betitelt (im Original: „Debunking the paleo diet“). Sie, liebe Leser, sind ja inzwischen trainiert. Es wird Sie nicht verwundern, wenn ich Ihnen erzähle: In dem Artikel steht etwas völlig anderes als die Überschrift suggeriert.

Nur leider: Die Überschrift bleibt hängen. Aha: Paleo ist wieder nur so ein Modewort ohne wissenschaftliches Fundament.

Wer schreibt? Dr. Warinner. Vor 7 Jahren an der Harvard University den Doktor gemacht. Ihr Spezialgebiet: Archäologischer Zahnstein.

Noch einmal: Eine Expertin im Zahnstein. Und die erklärt uns, dass Paleo nur ein Trend ohne wissenschaftliches Fundament sei. Wie sie das macht? Mit dem typischen Halbwissen.

  • Sie postuliert, sie hat einmal gehört, dass Paleo „rot und blutig“ sei. Bevorzugt hätte man sich von Fleisch ernährt. Tja. Und diesen Schwachsinn widerlegt sie. Sie geht also typischerweise von einer falschen Annahme aus und widerlegt diese falsche Annahme. Es fehlt ihr einfach der Überblick.
  • Und dann beweist sie uns, die Frau Wissenschaftlerin, dass es all die Kost von damals heute ja gar nicht mehr gibt. Dass Bananen damals etwas anderes waren als heute. Dass Brokkoli damals etwas anders war als heute. Dass Salat damals etwas anders als heute. Na, so eine Sensation! Die postuliert doch tatsächlich, Paleo-Anhänger würden behaupten, 1 zu 1 zu essen wie die Steinzeitmenschen. Das kommt wohl auch dem Schwach-sinnigsten nicht in den Sinn. Wir versuchen „entsprechend“ zu essen. Wir sprechen von „Blättern“ damals und meinen eben entsprechend „Gemüse“ heute. So gut das eben geht.

Denn, Frau Dr. Warinner, für unseren Körper ist nicht entscheidend die Form des Brokkoli, die Farbe des Salates, sondern für den Körper ist entscheidend der Anteil an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen. Also die essentiellen Stoffe. Kapiert das immer noch niemand?

Kapiert wirklich niemand, dass es völlig wurscht ist, was wir essen? Der Körper muss nur – gemessen, nachweislich – all die nötigen essentiellen Stoffe bekommen und enthalten. Per Blutanalyse nachweisbar. Wie Sie das schaffen… drum streite ich mich doch schon lange nicht mehr darüber, ob der Schimpanse nun wirklich 30% Fleisch oder nur 10% Fleisch zu sich nimmt.

Der Blutspiegel Eiweiß muss halt stimmen. Die Aminosäuren müssen stimmen. Das ganze Geheimnis eines ewig jungen Lebens.

Und noch so eine sensationelle Entdeckung dieser Frau Dr. Warinner: Die Menschen in der Steinzeit haben immer nur das essen können, was da war. Im hohen Norden also eben doch sehr viel Fleisch (da gab’s kaum Pflanzen), in Afrika wiederum hauptsächlich pflanzliche Nahrung. Deswegen gäbe es sie nicht, die „Paleo-Diät“.

Wirklich nix verstanden. So gar kein Überblick. Es gibt das Prinzip der Paleo-Diät: Naturbelassen, saisonal, also nichts Importiertes, nichts Konserviertes, nichts Gefärbtes. Und in der Zusammensetzung, die dem Körper alle essentiellen Nährstoffe zuführt. Und das kann selbstverständlich ganz verschieden aussehen.

Eine goldrichtige Bemerkung allerdings macht sie, die Frau Doktor: Zum Thema Konservierungsstoffe. Bitte nehmen Sie das ernst:

  • Konservierungsstoffe funktionieren nur, weil sie das bakterielle Wachstum in den Lebensmitteln verhindern. Nur vergessen wir dabei, dass auch unser Magen-Darm-Trakt voller Bakterien steckt. Hierbei handelt es sich um unsere Darmflora, also zumeist um gute Bakterien, die viele nützliche Dinge erledigen. Sie helfen bei der Verdauung, sie steuern das Immunsystem, sie dienen der Funktion unserer Schleimhäute etc. Wenn wir nun aber regelmäßig Lebensmittel essen, die voller Konservierungsmittel stecken, dann trägt das natürlich auch zur Schädigung unserer Darmflora und somit unserer Gesundheit bei.

Sind wir wieder bei Aldi und Lidl. Schnäppchenkauf. Wohl bekomms.

Tagtäglich sitzen Sie mir gegenüber und jammern über Ihre Verdauung. Über Ihr zu schwaches Immunsystem. Ja nun: Wie man in den Wald (also in den Darm) hineinruft, so schallt es heraus.

 
 
 

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